Schon gesehen?

weather-245379_1280Gedanken ziehen ja manchmal komische Bahnen. Und dann stolpert man plötzlich über Begriffe, die man vorher nie in Frage gestellt hat. So ist es mir in vor ein paar Tagen ergangen, und zwar mit dem Begriff „Deja vu“. Das heißt ja eigentlich „schon gesehen“. Ich finde das merkwürdig, da ich ein Deja vu immer eher als Gefühl wahrgenommen habe, das nicht unbedingt oder, sagen wir mal, nicht nur mit dem Sehen zu tun hat. Also, woher kommt dann der Begriff?

In der zweiten Hälfte des 19.Jhs beschäftigten sich verschiedene Mediziner mit dem Auftreten von Deja vus.

Nachdem das Phänomen in Deutschland zunächst als „Doppelwahrnehmung“ und „Erinnerungstäuschung“ bezeichnet wurde, führte 1878 der französische Philosoph Emile Boirac den Begriff „Deja vu“ ein.

In den letzten Jahren ist es wieder in den Focus der medizinischen Forschung geraten, die es offenbar nicht den Esoterikern überlassen wollte, Erklärungen für das Auftreten von Deja vus zu (er)finden. Da es aber fast ebenso schwierig ist, diese nachzuweisen, wie sie künstlich herbeizuführen, kam man lange Zeit nicht voran. Inzwischen wissen die Forscher, in welchem Bereich des Gehirns Deja vus stattfinden und können sie sowohl durch elektrische Impulse, aber auch durch Medikamente gezielt auslösen.

Noch streiten sich die Forscher, was genau bei einem Deja vu passiert. Die einen vertreten die These, es handele sich um eine optische Wahrnehmung, die das Bewusstsein verspätet erreicht, und insofern im Moment ihrer Bewusstwerdung tatsächlich schon einmal gesehen worden ist.

Andere gehen von einer Fehlschaltung des Gehirns aus, das eine wahrgenommene Situation fälschlicher Weise als Erinnerung deklariert und eine entsprechende Aktivität in der parahippocampalen Gehirnwindung hervorruft. Mit dem eigentlichen Sehen hätte es demnach tatsächlich wenig zu tun. Vielmehr tritt das Gefühl auf, die Situation schon einmal erlebt zu haben, während man gleichzeitig weiß, dass das nicht sein kann. Man ist sich bewusst, dass es sich um eine Täuschung handelt.

Dennoch gibt es vereinzelt Menschen, die täglich Deja vus erleben, manche sogar als dauerhafte Wahrnehmung. (Hierzu gibt es einen schönen Artikel auf www.zeit.de.)

Nimmt man diese Dauer-Deja-vus als einen Pol des Phänomens und die durchschnittlich einmal im Jahr auftretenden ganz normalen Deja vus  als anderen Pol, ergeben sich auf der Strecke dazwischen eine ganze Reihe von Erscheinungsformen. Die als „Aura“ bezeichnete Wahrnehmung unmittelbar vor einem epileptischen Anfall gehört z.B. auch dazu.

Zur Häufigkeit bzw. Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Deja vus liest man auf dasgehirn.info Folgendes:

„Manche Leute sorgen sich daher, ob sie Epilepsie haben, wenn sie ein Déjà-vu erleben. In Wirklichkeit ist es viel wahrscheinlicher, dass man ein Déjà-vu hat, wenn man müde, jung, betrunken oder auf bestimmten Drogen ist.“

Tja, und was, wenn nicht?

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