„Der ungeladene Gast“ von Sadie Jones

DIGITAL CAMERA…verspricht mehr, als er hält.

Familie Torrington feiert den zwanzigste Geburtstag ihrer ältesten Tochter Emerald in einem kleinen, aber vornehmen Rahmen. Der Leser begibt sich auf eine Reise in das beginnende 20. Jahrhundert. Schauplatz der Geschichte ist das Landgut der Torringtons, ein seltsam verwinkelter Bau, etwas heruntergekommenen und zurecht gestückelt. Wie die Familie selbst, hat auch das Gut seine besten Zeiten bereits hinter sich. Dennoch ist man bestrebt, den Status Quo zu erhalten, und die Traditionen fortzuführen. Während die Kinder noch den Verlust des Vaters betrauern, ist der gutmütige und invalide Stiefvater bereits eingezogen. Er bleibt eine blasse Figur, zurückhaltend und verständnisvoll im Rücken seiner Frau Charlotte, nimmt er an der eigentlichen Handlung nicht teil.

Charlotte wiederum fehlt es an Tatkraft und Zielstrebigkeit. Selbstbezogen und kindisch folgt sie ihren wechselnden Launen und steht dabei meist sich selbst, und noch mehr allen anderen, im Weg.

 So bleibt es Emerald selbst überlassen, die Aufgaben der Mutter und Gastgeberin zu übernehmen, unterstützt vom Hauspersonal und ihrem meist unzuverlässigen 3 Jahre jüngeren Bruder Clovis. Wenn es jedoch eng wird, kann sie auf ihn zählen. Die Jüngste, Imogen, geht in dem Durcheinander ein bisschen verloren. Sträflich vernachlässigt, verfolgt sie ihre eigenen Interessen mit kindlichem Eigensinn, was zumindest erfrischend ist.

 Dem Titel des Buches folgend, erwartet der Leser das Eintreffen der Gäste, während sich Sadie Jones in langatmigen Beschreibungen verliert. Haus und Hof werden ausführlich vorgestellt, einschließlich aller zwei- und vierbeinigen Bewohner. Erinnerungen und Entwicklungen aus der Familiengeschichte werden dem Leser dargeboten, während die Protagonisten sich mehr oder weniger planlos auf das Eintreffen der Gäste vorbereiten.

Der Geschichte fehlt am Anfang jegliche Spannung. Zu lange ruht sie sich auf dem Titel aus, ohne sein Versprechen einzulösen. Die Erzählpassagen ermüden mehr, als dass sie Bilder hervorrufen.

Während der Leser in Erwartung verharrt, verhält sich Jones ebenso planlos und träge wie ihre Figuren. Selbst im Mittelteil, als die Geschichte in Fahrt gerät, bleiben überraschende Wendungen die Ausnahme.

Die Figuren verlieren sich im Geschehen, das sie weder überschauen, noch in die Hand nehmen. Ständig bleiben sie einen Schritt hinter dem Leser zurück, reagieren nur, begreifen das Offensichtliche immer erst im Nachhinein. Man möchte sie wach rütteln, ihnen auf die Sprünge helfen, damit endlich etwas geschieht.

 Das Buch ist enttäuschend lahm, ungeordnet und ohne Witz. Selbst die Sprache wirkt holperig, verwirrend und entbehrt jeglicher Eleganz. Schwer, zu sagen, ob das am Original oder der Übersetzung liegt. Ich fand es ermüdend. Hier ein Beispiel:

„Florence war folglich allein. Sich in ihrem verschwitzten Kleid wütend aufrecht haltend, ging sie umher und versuchte, mit nichts als ihren beiden sehnigen Händen und ihrem schmerzenden knochigen Rücken wieder einen Anschein von Ordnung herzustellen. Gleichzeitig gab sie sich alle Mühe, den gedämpften Tumult, der von jenseits des Wirtschaftsflurs zu ihr drang, nicht zu beachten, aber als Emerald und Clovis durch die grüne Tür und in ihre Küche gestürzt kamen, drehte sie sich um.“ (S.241/241)

 Vielleicht braucht es einen besonderen Humor, dieses Buch zu mögen, den ich nicht vorzuweisen habe. Wer möchte, kann es gern für sich überprüfen und sich eine eigene Meinung bilden. Für mich war es einfach nur schade.

Und jetzt freue ich mich aufs nächste Buch.

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