Wider die Ordnung

 

Fünf Wochen Rehaklinik haben meine Vorsätze rund ums Schreiben heftig durcheinander gewirbelt – um nicht zu sagen: vom Tisch gefegt. Ehrlich gesagt, ist nicht viel davon geblieben. Ungeachtet meiner Pläne hat mich die Auseinandersetzung mit meiner derzeitigen Situation – die im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet ist, dass ich nicht weiß, wie es weitergeht – in einen Abwärtsstrudel gezogen, der allein durch die Tatsache erträglich blieb, dass draußen mein Leben auf mich wartet, das es in letzter Zeit erstaunlich gut mit mir meint.

Dennoch wirkt der Druck eines Abgleichs meines eigenen Empfindens mit der Außenansicht eines ärztlichen Gutachters enorm. Die Ungewissheit und das Gefühl, die Dinge viel zu wenig beeinflussen können, empfinde ich als unerträglich.

Ein Fortführen meiner derzeitigen Schreibprojekte war in den ersten Wochen nicht möglich. Sinnfragen und Perspektivsuche haben meine Gedanken bestimmt. Nachts haben mich Traumbilder verfolgt, die Botschaften in einer nicht zu ignorierende Klarheit transportieren. Bald ließen mich diese Bilder auch tagsüber nicht mehr los. Ein Traum hat mich über Wochen beschäftigt und tut es noch.

Ich habe ihn bearbeitet, aufgeschrieben, gezeichnet, Worte gesucht. Dann wieder an die Seite geschoben. In den Ort gegangen. Gedichte von Rilke erstanden. Gedichte gelesen, geschrieben.

Was ich nie vorhatte: plötzlich fing ich an, Verse zu machen. Immer dasselbe Thema umkreisend. Ringen nach Worten, nach Lösungen. Erkenntnisse. Bilder, die – auch in Versform – Sinn ergeben, stimmig sind.

Ob es mir gelungen ist? Schwer zu sagen, ebenso schwer zu beurteilen wie die Qualität der entstandenen Gedichte. Dennoch will ich sie ins Blog stellen, weil sie bedeutsam sind, für mich. Was sie mir – abermals – zeigen: kreative Prozesse sind nicht zu erzwingen. Wenn ich mich auf das einlasse, was mich im Innern bewegt, kann etwas Schöpferisches entstehen. Eine wichtige Erfahrung. Für mich. Das Buch läuft mir nicht davon…

 

 

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Ein Gedanke zu “Wider die Ordnung

  1. Schreiben – egal, ob Prosa oder in Reimen – befreit und hilft ungemein bei der Selbstsuche und Selbstfindung. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Wenn ich auf die viereinhalb Jahre Bloggen zurück blicke, dann fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich mich in dieser Zeit verändert habe, zum Besseren hin…
    Liebe Grüße!

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