Am Hainberg

Das Foto habe ich im März aufgenommen.

Hütte am Hainberg
Hütte am Hainberg

Das Feld neben der Allee war frisch gepflügt. Das Blätterdach der alten Bäume milderte das Sonnenlicht und wurde zu einem schützenden Nest, aus dem der Spaziergänger hinaus blickte. Außerhalb dieses Kokons war das Morgenlicht so hell und klar, dass die Konturen mit überwältigender Schärfe hervortraten.

Die schwarze Erde lag in groben Stücken obenauf, gerade erst aus der Tiefe geborgen, wo sie einen langen Winter weder Luft noch Licht geatmet hat. Zwischen den dunklen Brocken taten sich Gänge auf, bildeten sich neue Räume, die das aufgescheuchte unterirdische Gewimmel anlockte, um das Werk zu vollenden. Jenseits des Feldes leuchtete ein Streifen satten Grüns, der in unregelmäßigem Auf und Ab die dunkle Erde einfasste. Von da war es nur ein halber Meter bis zur ersten Laube der Gartenkolonie. Lange vertrocknete Gräser lehnten matt am Maschendraht, der das Gelände umzäunte. Sie bildeten einen dürftigen Sichtschutz für die unscheinbare Hütte, deren untere Hälfte dahinter verschwamm.

Das Dach war zu großen Teilen von Moos bewachsen, welches die Frühlingssonne bereits verdorrt hatte. Eine Wellblechplatte bildete zur Mitte hin einen kleinen Giebel, der dem Gesamtbild etwas von seiner Trostlosigkeit nahm. Zu beiden Seiten vergrößerten Anbauten den Grundriss des Häuschens. Es hatte einen Schornstein und eine Regenrinne. Das Dach war an den Enden ordentlich eingefasst. Die Witterung hatte seine Spuren hinterlassen. Doch der erste Eindruck täuschte. Bei genauerem Hinsehen, zeigte sich die Sorgfalt des Erbauers in etlichen Details. Fast meinte man, ihn vor sich zu sehen, wie er seinen Hammer schwang, Holzplanken befestigte, die Dachrinne anbrachte, wie er eine Regentonne aufstellte, um den Garten zu bewässern, während seine Frau kleine Gardinen in die winzigen Fenster hängte. Heimelich schien es ihm jetzt beinahe, als bewahre es die Erinnerung an ein verschollenes Glück, jederzeit bereit, ihm wieder eine Heimat zu geben.

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