Apfel… (Teil IV)

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Müde, verdreckt und abgerissen kamen sie zurück. Neben Direktor Connor und Mrs Stevenson wartete ein Streifenwagen auf sie. Der Officer stieg aus und folgte Mr. Connor in sein Büro. Dahinter ging Mrs. Stevenson, dann die beiden Jungs. Mrs. Stevenson hatte ihren Glückstag, sie durfte gleich wieder gehen. Die Beiden waren hundemüde und sahen verstohlen zu den zwei Stühlen, die an der Wand standen. „Wagt es ja nicht“, zischte Mr. Connor und nickte dem Officer zu. „Bitte, walten Sie ihres Amtes.“ Mrs. Hobbs brachte Kaffee für die Männer und sah neugierig zu den Missetätern. „Soll ich Miss Mason anrufen, Sir?“ Tom zuckte zusammen. Erst jetzt wurde ihm klar, dass diesmal mehr auf dem Spiel stand. „Das hat noch Zeit. Danke.“ entschied Mr. Connor. Nach dem Verhör stiegen sie zu Officer Archer ins Polizeiauto. Dr. Connor folgte in seinem Privatwagen. Sie fuhren die Straße entlang, bis zu der Stelle, an der das Auto gestanden hatte. Der Officer rief einen Kollegen an, der die Reifenspuren untersuchen sollte. Er fotografierte die Straße, das Feld, den Wald. Sie inspizierten sämtliche Fußabdrücke, die sie im Feld fanden. Fotografierten das Profil ihrer Schuhsohlen, dann die beiden Jungen, einmal Total, und jeweils ein Portrait.

Dr. Connors Strenge war aus seinem Gesicht gewichen. Die polizeilichen Untersuchungen schienen zu sagen, dass sie knapp an einer Katastrophe vorbei photographer-pixabaygeschlittert waren. Es war Tom, der zuerst seine Stimme wiederfand. „Officer“, fragte er leise. „Was war das für einer?“

Archer entfernte sich ein Stück von dem Busch, in dem die Beiden gehockt hatten, und vor dem sein Kollege zum mindestens 20ten Mal auf den Auslöser drückte. Die Jungen und Dr. Connor folgten ihm bis zum Feldrand. Er sah auf die ferne Landstraße und erzählte, was man inzwischen wusste: 6 Verbrechen. 6 Opfer. Alles Jungen zwischen 14 und 17 Jahren. Zerstückelt. Alle waren betrunken nach Hause getorkelt. Keine Chance, ihm zu entkommen.

Die Zunge klebte ihnen am Gaumen. Es war ein schwüler, drückender Tag. Und der Staub der Straße schmeckte bitterer als je zuvor. Die sprachlose Milde des Direktors lag ihnen schwer im Magen. Kaum konnten sie die Köpfe heben, um ihm in die Augen zu sehen.

Zurück in der Schule hieß er sie auf den blank gesessenen Stühlen im Flur Platz nehmen. Kraftlos hob er seine Pranke und legte sie verständnislos auf ihren verfilzten Schopf, ungeachtet des Drecks, der dort harrte.

Erst, als ich mit den Beiden sein Büro betrat, als mit mir jemand erschienen war, der an seiner Stelle die Verantwortung für dieses Beinahe-Desaster übernehmen konnte, fand er zu seiner gewohnten Kraft zurück. Seine Standpauke hatte es in sich. Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Brut meiner Schwester einmal den größten Zusammenschiss meines Lebens bescheren würde, schließlich war ich selbst auch kein Kind von Traurigkeit gewesen. Aber das hatte Mr. Connor natürlich auch nicht vergessen.

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5 Gedanken zu “Apfel… (Teil IV)

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