Kurzgeschichte: Was ist das?

Aus der Short Story des englisch-amerikanischen Sprachraums hervorgegangen, wurde die Kurzgeschichte in Deutschland durch die Nachkriegszeit (Gruppe 47) geprägt. Eine kleine Alltagssequenz wird stellvertretend herausgegriffen, um die Bürde der Kriegs- und Nachkriegsjahre darzustellen. Der tiefere Sinn steht zunächst verborgen hinter dem geschilderten Ereignis. Die Kurzgeschichte birgt einen Sprengstoff, der sich erst allmählich offenbart.

Es handelt sich um eine sprachlich, formal und inhaltlich reduzierte Prosaform. Die Länge kann stark variieren. Sehr kurze Formen werden auch als Kürzestgeschichte bezeichnet. Unabhängig davon werden in Ausschreibungen meist nur sehr kurze Formen (1-3 Seiten) angenommen. Die Kurzgeschichte soll in einem Leseakt gelesen werden. Die Verdichtung der Handlung verliert sich bei Unterbrechung der Lektüre, so dass es sich hier um eine Minimalforderung handelt, um die Wirksamkeit der Geschichte zu erhalten.

Erzählt wird aus dem Alltagsgeschehen heraus, in schmuckloser Sprache, wobei die Rahmenbedingungen (Ort, Zeit) unbedeutend sind. Ein Ausschnitt aus dem Alltag wird herausgegriffen und – ähnlich wie beim Film durch die Nahaufnahme – in den Fokus gestellt.

Der Einstieg in das Geschehen ist unmittelbar. Es gibt keine einleitenden Beschreibungen (Ort und Zeit sind nebensächlich). Auch das Ende ist offen. Im Grunde handelt es sich um eine Szene, die exemplarisch herausgegriffen wird. Der Vergleich mit dem Film macht das deutlich. Die Szene oder Sequenz weist im Spannungsaufbau alle Merkmale einer Geschichte auf, verzichtet aber auf die Einbindung in einen Gesamtzusammenhang. Typisch ist die überraschende Wende, in die die Geschichte mündet.

Die Reduzierung umfasst alle Aspekte:

  • Textlänge
  • erzählte Zeit / chronologische Schilderung (ohne Sprünge, Rückblenden)
  • wenige Protagonisten, die nicht weiter beschrieben oder eingeführt werden
  • Häufig Ich-Erzähler bzw. subjektive Perspektive
  • offenes Ende (ohne Vor- und Nachgeschichte)

Die Gattungsmerkmale sind als Richtlinien zu verstehen. Da das Schreiben ein kreativer Prozess ist, sind Abweichungen immer denkbar, oft sinnvoll. Wenn das Gesamtpaket stimmt, wird man der Kreativität immer den Vortritt lassen. In der Summe sollte der Wiedererkennungswert des Genres aber gegeben sein.

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