Was zum Teufel…?!

Der Ventilator schrappte bei jeder Umdrehung und wälzte die schwüle Luft hin und her. Immerhin hielt er die Fliegen davon ab,auf seinem verschwitzten Nacken zu landen. Träge hing er im Schaukelstuhl, den er mit dem Fuß in Bewegung setzte, dem Rhythmus des Ventilators folgend. Die Hitze machte ihn willenlos. Jedes noch so geringe Vorhaben scheiterte bereits in Gedanken. Schon seit Tagen hatte er Gulio um einen Wäschekorb bitten wollen. Jedesmal, wenn er unten am Tresen saß, war jede Sache, die sich außerhalb seines Gesichtsfelds befand, undenkbar. Also lag seine Dreckwäsche in einem Knäuel auf dem Boden – obenauf das Geschirrhandtuch mit den aufgedruckten Eichhörnchen.

Er dachte an Susann, stellte sich vor, wie sie auf dem Sofa saß und Schokolade futterte. In Köln war es jetzt kalt. Unvorstellbar. Bestimmt hatte sie den Kamin angeheizt und die Ramones auf dem Plattenteller. Auf den Dielen lag das Zebrafell, das sie nach ihrem letzten Urlaub durch den Zoll geschmuggelt hatten. Da kannte sie nichts – obwohl sie sonst so bieder war. Das ganze Jahr standen die pinken Gummistiefel auf der Terrasse, dicht an der Wand, damit es nicht rein regnete. Er lächelte und wurde sich schmerzhaft bewusst, wie sehr er sie vermisste. Sobald er zurück war, wenn dieser verdammte Hubschrauber endlich wieder lief, würde er zu ihr fahren.

Na ja, zuerst natürlich duschen und rasieren.

Er stellte sich vor, wie er in Jeans und Winterjacke vor ihrer Tür stand. Blumen! Blumen durften nicht fehlen. Er würde sie im Supermarkt gegenüber kaufen, ganz frisch. Am besten Rosen. Frauen steh’n auf so was. Stimmt doch!

Mit einem Mal war er hellwach, betrachtete seine Unterkunft mit ihren Augen, mit den Augen eines Menschen, der direkt aus der zivilisierten Welt kam, und nicht die letzten Wochen im eigenen Saft gehockt hatte, ohne Aussicht auf Erfolg.

Die Bude war das reine Elend. Zerquetschte Mosquitos, mit Blutspritzern garniert und wer weiß was für Flecken. Die Wände waren einmal weiß getüncht worden – vermutlich vor Jahren. Neben der Tür hatte jemand eine exakt senkrechte Bleistiftlinie gezogen, eine Handbreit vom Türrahmen entfernt. Auf der Linie hatte er – oder sie? – etwas geschrieben. Er drehte den Kopf, doch die Schrift war zu klein. Eine kleine pingelige Handschrift, sehr säuberlich, doch was…?

Stöhnend erhob er sich, wie hypnotisiert näherte er sich diesem feinen Schriftzug, den Kopf weit vorgestreckt, schlich er zur Tür. Dort stand:

IMG_tapetenabschlusskante

Er musste hier weg. Sofort. Er war nicht der Erste, der in diesem Gott verdammten Nest den Verstand verlor. Hals über Kopf stopfte er seine Habseligkeiten in den Rucksack, polterte die Treppe hinunter und taumelte aus dem Haus.

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2 Gedanken zu “Was zum Teufel…?!

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