Bombenentschärfung 19.8.2014

Das Museum ist heute geschlossen. An der Eingangstür hängt ein Zettel, der dem durch Dauerregen ohnehin schon gebeutelten Besucher der Stadt lapidar mitteilt:

„Das Museum bleibt heute

wegen der Entschärfung der Bombe

in der Innenstadt geschlossen.“

Das benachbarte Cafe ist allerdings geöffnet und nach dem einsetzenden Regen auch gut besucht. Der Lautstärkepegel steigt, Wärme und Luftfeuchtigkeit ebenfalls. Draußen schiebt sich der Verkehr in die Innenstadt. Menschen mit Schirmen gehen sowohl stadtein- wie stadtauswärts. Alle paar Minuten kommt ein Linienbus vorbei. Von der Evakuierung ist nichts zu spüren. Der angeordnete 300m-Radius hat den Bus- und sonstigen Verkehr weitgehend verschont. Doch blieben etliche Geschäfte und Büros, Arztpraxen usw. geschlossen. Menschen wurden in Turnhallen aufgenommen und mit Brötchen versorgt. Allerdings liegt das Museum NICHT im Evakuierungsgebiet. Bleibt also zu klären: Was hat die Angestellten aus dem Museum vertrieben?

Haben sie während ihrer Ausbildung einen Sicherheitskurs absolviert, so wie medizinisches Personal Erste-Hilfe-Kurse besucht? Sind sie die heimlichen Bombenexperten?

Sind sie diejenigen, die wissen, welches Kabel durchgeschnitten werden muss, wenn der Countdown auf die Null zu rast? An einem normalen Arbeitstag stehen sie mit Uniform in der Ecke des Ausstellungsraums, eine Hand am Funkgerät, stets zu einem freundlichen Lächeln bzw. einer qualifizierten Information bereit. Aber im Ernstfall werden sie zum Superhelden, entscheiden in Bruchteilen von Sekunden, ob eine herrenlose Tasche brandgefährlich oder nur ein wertloses Fundstück ist, das an der Kasse abgegeben wird.

Wer hätte das gedacht! Museumswärter – der unterschätzteste aller Berufe!

Langsam dämmert mir, dass etwas faul ist an dieser Geschichte. Was hätte denn da die Polizei noch zu tun? Und die haben doch auch Spezialisten für so was, oder? Wo sie sich schon auf die Füße getreten fühlen, sobald das BKA auf den Plan tritt, werden sie sich doch nicht von diesen Kulturpädagogen in Uniform die Schau stehlen lassen. Das wäre ja noch schöner! Und, nicht zuletzt haben die Museumsangestellten Wichtigeres zu tun. So viel steht fest. Wenn es aber nicht um die Entschärfung der Bombe geht, kann es sich ja nur doch wieder um die Evakuierung handeln.

Also, nur mal rein hypothetisch: Kann es sein, dass man das gesamte Museum leer geräumt hat?

Werden in dieser Stadt nicht Menschen, sondern Kunstschätze evakuiert?

Immerhin hat die Stadt Übung im Verschleppen, Verstecken und Bewachen ihrer Jahrtausende alten Kunstschätze. Schon während des Krieges wurde die kunstvoll bemalte Holzdecke der Michaeliskirche aus dem Gebäude herausgeschält und erfolgreich vor dem Feind versteckt. Und während der erst kürzlich beendeten Restaurierung des Doms wurde ebenfalls einiges von dem alten Gelumpe den Arbeitern aus dem Weg geschafft worden.

Das war also gemeint: Man hatte die Kunstschätze aus dem Museum geholt und, tja, wohin wohl verschleppt? Und werden sie just zur Stunde von den Angestellten des Museums bewacht? Vielleicht musste sich jeder Einzelne verpflichten, einen Teil der Ausstellungsstücke mit nach Hause zu nehmen und persönlich dafür zu sorgen, dass sie keinen Schaden nehmen. Immerhin sind Polizei und Feuerwehr ja anderweitig beschäftigt. Also blieb ja wohl niemand anderes übrig, der die Kunstschätze bewachen könnte. Ist doch komisch, wie leicht scheinbar komplizierte Probleme zu lösen sind. Man darf sich eben nur nicht so anstellen.

Auf meinem Heimweg lege ich geschätzte Dreieinhalb Kilometer zurück und sehe zehn Polizeiwagen. Zu Hause meldet der Nachrichtenticker, dass die Bombe entschärft wurde. Gut gemacht! Und an alle Museumsangestellten: Nicht vergessen, wenn Ihr Morgen zur Arbeit geht, muss alles wieder mitgebracht werden!

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3 Gedanken zu “Bombenentschärfung 19.8.2014

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