Novelle: Was ist das?

Die Novelle gehört zu den epischen Kurzformen mittlerer Länge. Diese werden auch unter dem Begriff Erzählung zusammen gefasst. Wie die Kurzgeschichte, soll auch die Novelle in einem Leseakt zu bewältigen sein. Die Textlänge ist aber nicht das entscheidende Kriterium. Es gibt einige typische Merkmale, die größtenteils erfüllt sein sollten, damit man den Text als Novelle einordnen kann. Eine solche Einordnung macht ja nur Sinn, wenn sie für den Leser nachvollziehbar ist.

  1. Die Neuigkeit

Der Begriff Novelle ist von dem italienischen Wort novella abgeleitet, was so viel wie (kleine) Neuigkeit bedeutet. Hier haben wir das erste Hauptmerkmal der Novelle. Sie handelt von einer Ungeheuerlichkeit oder einem einschneidendem Erlebnis. Sie ist das zentrale Element und Ausgangspunkt der Geschichte. Dieses Ereignis muss von tiefer Bedeutung sein – es geht nie um Banalitäten – und zu einem schicksalhaften Wendepunkt für die Hauptfigur/en werden. Das heißt, mit dem Eintreten dieses Geschehens verändert sich etwas Grundlegendes.

  1. Rahmenerzählung

Die Geschichte wird in eine Rahmenhandlung gefasst, in der eine fiktive Person diese Geschichte anderen Personen erzählt. Durch die Rahmenerzählung wird die Erzählzeit begrenzt, wenn die Geschichte z.B. während einer Zugfahrt erzählt wird. Dass sich Erzähler und Zuhörer zufällig begegnen, ist ein interessanter Aspekt der Novelle. Denn man weiß ja nicht, wie vertrauenswürdig der Erzähler ist, der so Seltsames erzählt. Auch die Schriftform ist denkbar, dann sollte sich der Schreiber aber gezielt an jemanden wenden, z.B. in Briefform. Auch hier bleibt einiges unklar, z.B., in welcher Verfassung der Schreiber war.

Die Rahmenerzählung setzt Anfang und Ende der Geschichte in straffer Form. Es gibt weder eine Vorgeschichte, noch einen Ausblick, wie sich die Figuren später entwickelt haben. Es geht nur um dieses zentrale Ereignis und seine unmittelbaren Auswirkungen.

  1. Symbol

Eindringlicher wird die Erzählung, wenn man für das zentrale Thema ein Symbol verwendet. Ein Symbol ist ein Gegenstand, der stellvertretend für ein Ereignis, eine Figur, ein Ziel, das eine Figur anstrebt, steht. James N. Frey erklärt das gut in seinem Buch „‎Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.“ (siehe: Bücherliste Schreiben)

Die Verwendung von Symbolen sollte man dosiert einsetzen. In einer Novelle ist eins, das für das zentrale Thema steht, absolut ausreichend. Alles andere wäre überladen. Das Symbol muss nicht allgemein gültig sein (weiße Fahne, Schlüssel, Foto, Bibel), es kann auch nur im Zusammenhang dieser Geschichte eine bestimmte Bedeutung haben. Dann muss diese natürlich kurz erklärt werden. Später kann man dann stets darauf zurückgreifen, ohne viel erklären zu müssen.

  1. Geschichte/Tempo

Die Geschichte wird straff erzählt. Es geht nur um das zentrale Thema und den schicksalhaften Wendepunkt, auf den sie hinausläuft.

Der Wendepunkt wird mehrfach antizipiert (angedeutet), soll aber dennoch überraschend eintreten. Ein hohes Erzähltempo ist wichtig. Das heißt, dass Beschreibungen und Erklärungen auf das Nötigste begrenzt sein sollten.

Anfangs trat diese Gattung nur in Form von Novellenzyklen auf. Erste Einzelnovellen findet man in den Werken von Kleist, E.T.A. Hoffmann und Goethe. Wer sich einlesen möchte, sei auf das Projekt Gutenberg verwiesen, wo man die Klassiker kostenfrei lesen kann. Hier gibt es eine gute Suchfunktion (Text/Autor/Gattung). Man kann also direkt nach „Novelle“ suchen und erhält eine ziemlich lange Liste.

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