Warum übers Lesen schreiben?

Weil ein Blog über das Schreiben allein nicht reicht?
Das wäre ein bisschen dürftig.

Weil, wer schreibt, auch liest?
Schon eher. Wer schreibt, liest auch, hat bereits eine Menge gelesen, und sollte nicht damit aufhören. Nun, ist es vielleicht nicht gerade wahrscheinlich, dass man mit dem Lesen aufhört, weil man selbst schreibt. Manchmal macht es aber Sinn, genau das zu tun. Und meistens macht es keinen Sinn.

Somit stellt sich die Frage, wann und warum der Schreibende lesen sollte. Grundsätzlich ist dem Autor das Lesen zu empfehlen, und es gibt sicher keinen Schreibratgeber, der anderes rät. Warum?

  1. Bücher sind Vorbilder, die guten Bücher, natürlich. An ihnen können wir die Empfehlungen unserer Schreiblehrer u. a. Ratgeber nachvollziehen. Sie dienen uns als Vorlage. Wir können nachprüfen, wie andere, erfolgreiche Autoren

  • Dialoge schreibenbooks-pixabay
  • Figuren einführen
  • Schauplätze beschreiben
  • Tempo und Spannung erzeugen
  • Sprachliche Mittel einsetzen u.s.w.
  1. Manche Bücher sind die exemplarischen Ausnahmen, die sprichwörtlich jede Regel bestätigen. Welcher Autor setzt sich wie über eine allgemein anerkannte Regel hinweg. Gelingt es ihm, und wenn ja, warum?

Mit anderen Worten: Bücher dienen uns als Anschauungsmaterial. Vielleicht können wir uns selber in unserem Schreiben besser positionieren, wenn wir aufmerksam, d.h. kritisch lesen. Vielleicht gelingt es uns, wenn wir das regelmäßig tun, auch unsere eigenen Texte kritischer zu lesen, und neu zu beurteilen. Das ist eine verzwickte Angelegenheit. Ein bisschen Zeit und Gras wachsen zu lassen, hilft dabei. Aber was wir brauchen, ist auch die Orientierung, der direkte Vergleich.

  1. Manche Bücher helfen uns durch ihre Schwächen. Wie im richtigen Leben, sieht man auch beim Schreiben die Schwächen der anderen stets viel klarer, als die eigenen. Manchmal ist es nur dieser Eindruck, dass uns etwas nicht gut gelungen ist. Erkennen wir denselben Fehler bei einem Anderen, kann uns das die Augen öffnen.

Sind wir nun der Meinung, eine solche Schwäche im Werk eines anderen Autoren entlarvt zu haben, ist die Frage, wie man damit umgeht.

Kritik zu üben, ist stets eine heikle und empfindliche Angelegenheit. Wer großzügig mit der Beanstandung von anderen Werken ist, sollte sich fragen, wie er selbst ein ähnliches Vorgehen verkraften würde. Für eine handfeste Kritik, die bestenfalls auch noch hilfreich ist, braucht es einige Erfahrung. Wichtig ist, dass man die angebliche Schwäche eindeutig identifiziert, sich wertfrei ausdrückt, und nicht vergisst, dem Autor Respekt zu zollen. Denn ein Schwachpunkt ist noch kein Grund, das ganze Werk zu verreißen.

Nicht jeder aufmerksamer Leser ist automatisch ein guter Kritiker. Ich halte mich keineswegs dafür. Daher beschränke ich mich auf Empfehlungen, wenn mir ein Werk gut gefallen hat. Die Kritik der Bücher, die mich weniger überzeugt haben, behalte ich lieber für mich. Aber hier fängt die eigentliche Arbeit an. Im stillen Kämmerlein stelle ich mir die Fragen, die mich zu neuen Erkenntnissen lotsen können:

  • Was genau gefällt mir eigentlich nicht an dem Buch? Und: ist das eine Frage der persönlichen Vorlieben oder ein Schwachpunkt des Buches? (Beispiel: Protagonist wirkt nicht authentisch.)
  • Wie kommt es zu dieser Schwachstelle? (Beispiel: zu viele innere Widersprüche, die nicht erklärt werden, zu schwaches Hauptmotiv)
  • Wie könnte man diese Schwäche ausgleichen (Den Hauptantrieb der Figur nicht einfach erklären, sondern durch die vorangegangenen Ereignisse entwickeln. Dadurch verändert sich der Verlauf der Geschichte, da sie an einem anderen Punkt einsetzt bzw. einige Passagen mehr Raum brauchen).

Auf diese Weise versuche ich mir selbst über Lösungswege klar zu werden. So profitiere ich vom Abstand, den ich als Leser zum Buch habe und begreife die Mechanismen des Schreibens in verdaulichen Brocken. Als Autor kann ich mit diesen Erkenntnisbrocken arbeiten. Mich gleichzeitig als Kritiker aufzuschwingen, halte ich für unangemessen. Das sollen andere tun, denn hierbei geht es um eine dritte Perspektive, für die mir m. E. Neutralität und entsprechende Kenntnisse (der Literaturwissenschaft) fehlen.

Und wann sollte man jetzt lieber nicht lesen?
Ich weiß nicht, ob ich es kann: Nicht lesen. Das ist ein Zustand, der immerhin sehr weit zurück liegt.
Wenn ich aber die Vorarbeiten für mein Buch abgeschlossen habe, und die intensive Schreibphase beginnt, halte ich es für ratsam, Abstand zu anderen Büchern einzunehmen.
Bereits in intensiven Vorbereitungsphasen wurde ich des Lesens teilweise überdrüssig. Da reichte mir meine eigene Geschichte. Falls ich nicht ganz verzichten möchte, weil ich es eben so empfinden würde: als Verzicht, würde ich doch wenigstens das Genre aussparen, in dem ich schreibe. Denn zu diesem Zeitpunkt sind weder Ablenkung, noch Reflexion gefragt, sondern erst einmal nur das:
Das eigene Buch schreiben.

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