Ungeduld

Schon scharre ich mit den Hufen wie das Pferd vor dem Rennen. Dabei soll es gar kein Rennen sein. Ganz im Gegenteil, weiß ich doch aus ungezählten Erfahrungen meines Lebens vor dem Schreiben, wie hinderlich Eile ist. Sie ist ja geradezu ein Garant für Fehler und Flüchtiges. Sie produziert nur Halbfertiges, Unausgereiftes – Nichts, mit dem man  dauerhaft zufrieden sein könnte.

Kopf weiß also Bescheid. Warum dann diese Ungeduld? Und dann noch: Gehöre ich zu denen, die sich jahrelang in Geduld üben mussten, die nicht jeden Wunsch sofort erfüllt bekamen, wie man es den Jüngeren nachsagt. Wenn meine große Schwester was Schickes zum Anziehen bekam, übte ich mich in Geduld: Wenn sie und meine zweite Schwester einigermaßen pfleglich damit umgingen, landete es eines Tages auch in meinem Schrank – genau wie die weniger schönen Sachen, auf die ich gern verzichtet hätte. So lief es dann auch mit Roller, Fahrrad, Plattenspieler, sogar Schulbücher, die man heute schon nach zwei Schuljahren für veraltet hält. Das Kettcar, das mich nicht mehr erreichte, weil mein Bruder es wütend die Kellertreppe runter schickte, als es in meinen Besitz übergehen sollte, stürzte mich in echte Verzweiflung.

Alles nichts genützt?
Natürlich ist die Erziehung meiner Eltern nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Auch ich bin es gewöhnt, abzuwägen, ob ich etwas wirklich brauche. Wenn ich aber beschlossen habe, mir eine neue Lampe zu kaufen, die Wand zu tapezieren oder dem Tisch einen neuen Anstrich zu verpassen, möchte ich immer sofort loslegen. Darum habe ich auch immer alles da, um wenigstens eine Wand jederzeit streichen zu können – man weiß ja nie, wann einen die nächste kreative Phase anfällt.

Nun muss ich mir derzeit solche Gestaltungswut verkneifen, da ich mit dem Entschluss, ein Buch zu schreiben, Prioritäten gesetzt habe, die langfristig gelten müssen. Denn so was dauert!
Vielleicht ist es diese aufgestaute Energie des spontanen Werkelns, die sich jetzt bemerkbar macht. Die Vorbereitungen für das Buch und der Schreibkurs, der mir helfen soll, dieses Buch auf den Weg zu bringen, neigen sich dem Ende zu. Die Startlinie lässt sich schon erahnen. All diese vorbereitenden Aufgaben haben meine Geduld schon etwas überstrapaziert. Vielleicht schlage ich aus der Art und habe einfach nicht so viel davon.

Es hilft aber nichts; ich muss dagegen steuern, erst alles abschließen und mit Ruhe einen Schritt vor den anderen tun. An manchen Tagen fällt das schwerer als an anderen. Dennoch halte ich mich  – so gut es geht – an den Plan: tägliches Tippen üben, letzte Recherchefragen klären, aktuelle Kursaufgaben gewissenhaft zu Ende bringen. Was dabei hilft: Disziplin? Chi Gong. Vielleicht Meditation. Obwohl mir die Meditation in Bewegung ( auch Achtsamkeit genannt) derzeit eher zusagt. Zwischen den Aufgaben ein bisschen Unkraut jäten oder fegen gehört ebenfalls dazu. Nur darf man es da eben nicht übertreiben.

Klingt alles super, und doch fällt es mir schwer. Der Countdown läuft – man darf nur nicht mit zählen, sonst eilen die Gedanken wieder voraus…

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