18 Wochen Schreiben unter Beobachtung

  Wie es dazu kam und was daraus wurde. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

„Es gibt Dinge, die wir lernen müssen, bevor wir sie tun können. Und wir lernen sie indem wir sie tun.« (Aristoteles)

Anfängerfehler?! Die Vorgeschichte

Selten erscheint uns diese Erkenntnis so paradox, wie beim Schreiben. Dass wir etwas lernen, indem wir es tun, es anschließend begutachten und die Meinung eines Erfahrenen einholen, ist ein normaler Lernprozess. Das Einzige, was es uns wirklich schwer macht, damit umzugehen, ist unser Anspruch. Niemand, der zum ersten Mal ein kompliziertes Gericht kocht, ein Regal baut oder einen Teppich knüpft 😉 erwartet von sich selbst ein Meisterwerk. Nur beim Schreiben hängen wir die Fahne oft so hoch, dass wir uns dauernd fragen, wie wir das schaffen sollen, wo uns doch die Erfahrung fehlt, der eigene Stil noch nicht gefunden oder perfekt ist, die Muse mal wieder auf Abwegen und so weiter. Was machen wir? Jammern. Zweifeln. Verzweifeln?

Dafür gibt es keinen Grund. Die einzige Möglichkeit das Schreiben zu lernen, ist das Schreiben. Also, liebe Artgenossen, Leidensschwestern, Brüder im Geiste. Lasst es uns tun. Und lasst uns sehen, was dabei herauskommt. Es kommt weniger auf das Ergebnis an, als darauf, wie wir damit umgehen.
Die erste Lektion beim Schreiben ist das Lernen der Kritikfähigkeit. Wir müssen lernen, unsere Texte kritisch zu betrachten. Wenn wir sie nämlich für unantastbar halten, macht es keinen Sinn, sie jemanden zur Begutachtung vorzulegen. Will man einen Schwachpunkt beseitigen, muss man ihn zuerst erkennen. Also hilft es nichts, wir müssen ehrlich zu uns sein.

Sind wir blutige Anfänger, so wird der Schreiberfahrene das in unseren Texten sehen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass wir typische Anfängerfehler machen. Viele von uns wissen das. Deswegen fangen wir an, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir besser werden können. Wir lesen alles über das Schreiben, was wir in die Finger kriegen, bessern hier, fangen da nochmal an, überarbeiten, korrigieren, feilen unsere Texte, bis… Bis wir zufrieden sind? Vielleicht.
Oder, bis es nicht mehr unsere Texte sind, nicht mehr unsere Worte, unsere Sprache. Oder, bis wir uns im Regelwerk des Schreibens so verloren haben, dass wir nicht mehr wissen, wie die Geschichte weitergehen soll.
Den eigenen Stil entwickeln oder verbessern können wir gut mit dem Schreiben von kurzen Texten. Daher sind Schreibanregungen immer willkommen. Doch, was ist mit dem großen Wurf?

Ein Buch zu schreiben verlangt so viel mehr als eine unverwechselbare Schreibstimme. Und wollen wir tatsächlich so lange warten, bis wir diese entwickelt und perfektioniert haben? Ich wollte das nicht. Auf keinen Fall.
Ich kann auf keine lange Schreibbiographie zurückschauen. Ich gehöre nicht zu denen, die schon immer wussten, was sie wollen. Ganz im Gegenteil: Ich wusste immer, was ich nicht wollte. Dass ich tatsächlich schreiben will, und zwar vor allen anderen Dingen, weiß ich erst seit einem knappen Jahr. Mit meinem ersten Buchprojekt hatte ich mich gerade so festgefahren, wie ein Fahranfänger im Morast. Es half nichts; ich musste es erst einmal dort liegen lassen. Und das war bitter.
Dennoch entstand schnell die Idee zu einem neuen Buch. Es sollte ein Jugendbuch werden, was mich selbst überrascht hat. Da ich viel übers Schreiben gelesen hatte, dachte ich, im Vergleich zum ersten Projekt, einen bedeutenden Schritt weiter zu sein. Das war ich wohl auch, denn immerhin wusste ich, was die größte Schwierigkeit für mich war.

Ich hatte beim ersten Buch den Überblick verloren, da ich einfach drauf los geschrieben hatte. Das war mir gar nicht schwergefallen. Die Geschichte entwickelte sich während des Schreibens ganz von selbst. Ich hatte tolle Ideen, sah meine fiktive Welt und ihre Figuren klar vor meinem geistigen Auge und wusste stets, was meine Hauptfigur als Nächstes brauchte, tun musste, was ihr widerfahren sollte. Ohne Konzept hatte ich angefangen, nachgebessert, je mehr ich über das Schreiben gelernt hatte, überarbeitet. Nach der dritten Totalsanierung ging mir die Puste aus. Zum Glück, sage ich heute. Das war ein bisschen viel für den Anfang, auch wenn ich nicht ausschließen will, dass es mich später vielleicht noch einmal packt.

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2 Gedanken zu “18 Wochen Schreiben unter Beobachtung

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