Das Manuskript – Tag 9

Gestern war Tag 9. Noch im Halbschlaf fingen meine Gedanken an, ums Schreiben zu kreisen. Sie setzten unmittelbar nach dem Aufwachen dort an, womit ich am Abend vorher aufgehört hatte, nämlich mit meiner Bettlektüre.
Ich lese z. Z. einen Krimi, von dem ich aber nicht vollends begeistert bin. Nachdem ich das Buch zugeschlagen hatte, überlegte ich, was mich eigentlich daran stört. Es hat mit den Figuren zu tun, die mir auch nach der Hälfte des Buchs noch ziemlich verschwommen erscheinen. Abgesehen von der Hauptfigur, über die der Leser im Laufe der Geschichte einige Einzelheiten erfährt, sind mir eigentlich nur zwei andere Figuren bildhaft vor Augen. Diese beiden unterscheiden sich von den anderen durch ein entscheidendes Merkmal.
Die Geschichte steht stark im Vordergrund, und sie entwickelt sich mit hohem Tempo. Die Figuren werden nur durch wenige Merkmale beschrieben. Das scheint mir nicht grundsätzlich problematisch zu sein. Dass ich aber keine bildhafte Vorstellung von den Figuren der Geschichte bekomme, empfinde ich als sehr negativ. Es ist schwierig, empatisch zu sein, und mitzufiebern, obwohl die Geschichte spannend ist.

Das Problem bei den Figuren ist in diesem Fall, dass sie alle sehr ähnlich sind. Es handelt sich vorwiegend um Amerikaner mit japanischer bzw. hawaiianischer Herkunft. Die Hauptfigur selbst erwähnt die Ähnlichkeit beider Gruppen.
Wenn man unter diesen Umständen die Figuren nur knapp beschreibt, sollte man es wie bei den Nebenfiguren halten:
Das beschreibende Merkmal muss charakteristisch sein.
Ist es das nicht, geht es unter, besonders, wenn es viele Figuren sind. Im genannten Fall haben alle dunkles Haar, und dunkle, asiatische Augen. Dass der einzige US-Amerikaner ohne solche Herkunft auch noch dunkle Haare hat, macht es nicht leichter. Leicht zu unterscheiden sind verschiedene Gruppen:

  • Männer und Frauen,
  • Alte und Junge
  • Familienmitglieder und Außenstehende

Diese Gruppierungen werden durch entsprechend typisches Verhalten herausgestellt und durch gemeinsame Interessen. Dadurch kommt es leider auch zu Stereotypen, nicht gerade ein Qualitätsmerkmal, und es macht das Lesen nicht komfortabler.

Warum mich das Thema so beschäftigt?
Bei der Reflexion meiner Lektüre ging mir auf, dass mein Manuskript ähnliche Mängel aufweist. Auch ich war während des Schreibens der ersten Kapitel hauptsächlich mit der Geschichte befasst. Sie geht auch recht zügig los. Wenn eine Figur ihren ersten Auftritt hatte, war keine Zeit für eine längere Beschreibung. Wie also löse ich dieses Problem? Hier meine Überlegungen zum Einführen der Figuren in die Geschichte:

  1. Lange Beschreibungen sind für den Leser ermüdend. Es empfiehlt sich, die Informationen in verdaulichen Häppchen zu servieren.

  2. Wenn die Geschichte schnell voran geht, müssen ein oder zwei charakteristische Merkmale vorerst reichen. Andernfalls würde die Beschreibung die Geschichte aufhalten.

  3. Eine zusammenhängende Beschreibung erfordert den richtigen Zeitpunkt, wenn die Geschichte ruhiger wird und Gelegenheit zum Innehalten gibt.

  4. Die Figurenbeschreibung umfasst nur das Äußere. Alles andere sollte durch das Handeln der Figur gezeigt und nicht beschrieben werden.

Soweit die Theorie; hoffentlich gelingt die Umsetzung!

 

 

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