Das Manuskript – Irgendwas stimmt nicht …

Eine viel zu lange Zwangspause hat mir und meinen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jeden Tag schreiben, in einem Fluss quasi die ganze Geschichte aufs Papier (bzw. die Festplatte) zu bringen, war die Idee. Und was ist mit dem Flow?

Die ersten Tage war ich frustriert, konnte dieser erneuten Verzögerung nichts Positives abgewinnen. Im Gegenteil: Als sich zeigte, dass selbst die frisch erworbenen Tipp-Künste auch noch zu bröckeln begannen, rückte mir Verzweiflung auf die Pelle. Dennoch: es blieb, wie es war. Und irgendwann kehrte wieder Ruhe ein, die innere Stimme verstummte.  Und es war gut. Aber natürlich nicht lange, die Selbstzweifel lauerten unter der dünnen Haut scheinbarer Akzeptanz. Schon stellte sich wieder die ganz große Frage: Werde ich jemals …?

Ich schob die Gedanken beiseite und hoffte, dass die kreative Pause bald zu Ende ging. Und dann kamen, wie aus dem Nichts, ganz andere Gedanken. Gedanken, die um das bisher Geschriebene kreisten: um die ersten 3 Kapitel des Manuskripts.
Wieder einmal wandelte sich schwammige Unzufriedenheit in eine konkrete Vorstellung. Irgendetwas stimmte nicht mit der Erzählstimme im Text. Wie nannte man das überhaupt? Wie sollte ich es zu fassen kriegen, wenn ich es nicht einmal benennen konnte?
Ich wusste nur, dass es mit der Art zu tun hatte, wie die Geschichte erzählt wurde. Ich begann also, mich wieder mit dem Handwerk zu beschäftigen. Mit der Zeit begriff ich, dass es mit dem Aspekt „Show – don’t tell“ zu tun hatte, der in meinem Text so dominant geworden war, dass die eigentliche Erzählstimme kaum noch zu Wort kam.

Auf www.mystorys.de landete ich schließlich bei einem Artikel, der den Unterschied zwischen Szene und narrativer Erzählung klar herausstellt. Es leuchtet sofort ein, worin dieser besteht. Aber im eigenen Text war die Sache dann gar nicht mehr so eindeutig. Ich versuchte, die einzelnen Textabschnitte entweder als „Szene“ oder „Erzählung“ zu identifizieren und stieß dabei auf Hindernisse. Häufig hatte ich die Erzählung auf einzelne Sätze beschränkt. Immer wieder drängte die szenische Darstellung in den Vordergrund. Und immer wieder vermischten sich beide miteinander, was mich jetzt störte: Die Dominanz der szenischen Darstellung hatte der Geschichte ein extremes Tempo verpasst, mehr vielleicht, als ihr gut tat. Schon vor der Schreibpause hatte ich festgestellt, dass in der Geschichte die Zeit fehlte, Schauplätze und Figuren vorzustellen. Hatte ich jetzt die Ursache gefunden?

Ich beschloss, Szene und narrative Erzählung klar voneinander abzugrenzen. Dafür kopierte ich zunächst die Abschnitte, die als Szene geschildert werden sollten in eine neues Dokument. Ich begann also mit der ersten Szene im ersten Kapitel, korrigierte evt. noch einmal nach, sodass keine narrativen Anteile mehr in diesem Abschnitt blieben. Dann kopierte ich den Text hinein, der die Szene einleitete, also alles, was davor kam. Diesen überarbeitete ich nun so, dass er dem narrativen Erzählen entsprach und (fast) keine szenischen Elemente mehr aufwies.

Diese Überarbeitung war recht mühsam, ich brauchte zwei Tage für das erste Kapitel. Und selbst jetzt war ich noch nicht mit dem Ergebnis zufrieden. Vielleicht braucht es tatsächlich noch mehr Abstand zum Text. Denn so richtig konnte ich mich von der dominanten Szene noch nicht lösen. Ich werde die Erzählabschnitte also noch einmal überarbeiten, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt.

Grundsätzlich erscheint mir die Korrektur richtig. Sie bringt etwas Ruhe und Klarheit in die Geschichte. Die Handlung prescht nicht mehr so voran. Es sind langsamere Abschnitte entstanden, die es ermöglichen, Beschreibungen einzufügen, die dem Leser Orientierung geben. So kommt es zu einem Wechsel des Erzähltempos. Erstmals scheint sich ein Rhythmus einzustellen.
Auch, wenn ich das Urteil meines ersten – frühzeitig herangezogenen – Testlesers noch sehr gespannt erwarte, wähne ich mich auf dem richtigen Weg. Ich werde also Kapitel 2 und 3 ebenso überarbeiten und dann mit dem 4. Kapitel im Manuskript fortfahren. Bis dahin hat sich meine Erzählstimme hoffentlich schon ein bisschen an die neue Schreibweise gewöhnt.

Ich glaube, dass es richtig war, die Sache gleich zu bearbeiten, da es doch auch ein Umdenken erfordert. Ein Buch zu schreiben ist einfach eine sehr komplexe Angelegenheit. Ein lineares Vorgehen setzt wahrscheinlich mehr Erfahrung voraus als ich vorzuweisen habe.Da gibt es wohl keine Alternative zum mühsamen zwei Schritte vor, einen zurück des learning by doing bzw. trial and error. Nur das Ziel darf man nicht aus den Augen verlieren.

 

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2 Gedanken zu “Das Manuskript – Irgendwas stimmt nicht …

  1. Ich habe seit einer Weile auch eine Schreibpause, und sie wird wahrscheinlich noch andauern. Ich muss zunächst noch einmal gründlich über die historischen Personen und die Zeit – Mitte des siebzehnten Jahrhunderts – recherchieren. Vor kurzem habe ich ein sehr hilfreiches Buch erstanden, aber das ist alles andere als einfach zu lesen…
    Liebe Grüße!

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