schwarze Nächte – graue Tage

Schwer erhebt sich der Tag. Hockt träge auf den Giebeln, erschöpft vom Ringen mit der längsten und schwärzesten Nacht. Das verstockte Biest wollte das Feld nicht kampflos räumen.
Glorreiche Sieger sehen anders aus. Der Tag erholt sich nur langsam, füllt schneckengleich den Himmel mit trostlosem Grau. Kaum, dass man es merkt.
Schon hell geworden?
Kaum der Rede wert.
Zu sehr gleicht das Tagesgrau dem fetten Schwarz der endlosen Nacht. Undurchdringlich und schwer. Der Sturm treibt schwarze Vögel vor sich her, nimmt alles mit, was sich nicht halten kann. Glücklich, wer unterm Dach verweilt.
Kahle Zweige peitschen im Rhythmus der Böen. Feucht glänzen die Ziegel, düster und farblos. Fragen sich bang, ob sie den Tag überstehen. Hoffen auf bessere Tage, an denen ihr rotbraunes Antlitz vertrauensvoll strahlt.
Zukunftsmusik.
Heute bleibt alles grau. In manchen Fenstern blitzen Lichter auf. Kleine Hoffnungsfunken – versprechen, was sie nicht halten können. Und glauben wollen wir ’s doch.
Warten wir nicht auf den Tag. Lassen wir den langen Nächten das Feld. Sieh nicht hinaus, sondern bleib im warmen, lichten Raum, der deiner Seele Heimat ist. Sieh hinein. Schau, wer du bist.
Sehen. Horchen. Fühlen.
Komm zu dir, bevor das helle, laute Leben weitergeht. Bevor sich die Erde wieder dreht und alles mitnimmt in den Lauf der Zeit. Verweile und werde gewahr. Das ist das Geschenk der grauen Tage.

Greif zu.

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2 Gedanken zu “schwarze Nächte – graue Tage

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