Wolf Schneider: Deutsch für Profis.

Wege zum guten Stil

Wer sich erstmals systematisch mit der Frage beschäftigt, wie er seinen Sprachstil verbessern kann, sollte sich von zwei Faktoren nicht abschrecken lassen:

  1. Das Buch erschien erstmals 1984.
    Die Taschenbuchausgabe von 2001 ist überarbeitet, und die zahlreichen Beispiele aus Presse und TV sind nach wie vor aktuell. Leider, muss man sagen, wenn auch hilfreich für das Verständnis des Buches, worauf Schneider besonderen Wert legt. Auch der beschriebene Zeitdruck in der redaktionellen Arbeit ist derselbe. Vielfach bleibt die journalistische Sorgfalt auf der Strecke. Es ist also alles beim Alten geblieben.

  2. Schneider richtet sich in erster Linie an Journalisten.
    Der Schwerpunkt des Buchs liegt im verständlichen und guten Stil. Er beginnt damit, Begriffe auf ihren Aussagewert zu prüfen, entlarvt Wortblasen, hochgestochenes Geschwätz und Sprachmoden in journalistischen Texten.
    Hierbei spielt eskeine Rolle, was man schreibt. Es geht ja ums Wie. Und dass der tägliche Umgang mit Nachrichten unsere Sprache prägt, gilt leider auch für alle. Wie sehr, wird durch Schneiders scharfe Analyse deutlich.

Was also meint Schneider, wenn er vom guten Stil spricht?

Zuerst geht es darum, Schlechtes zu vermeiden. Schlechten Stil kennzeichnet die Häufung von:
FüllwortenSprachmoden u. Redensarten
unverständlichen Begriffen, z.B. Fachsprache
langen, verschachtelten Sätzen
falschen Begriffen
falscher Interpunktion
usw.

Wer sich diese Marotten abgewöhnt, hat also schon viel gewonnen. Schneider behandelt die gängigen Ratschläge, wie z.B.:
kurze Sätze: je weniger, desto besser
keine Adjektive
Wortwiederholungen meiden (durch Verwendung von Synonymen u. Pronomen)
Aktiv ist besser als Passiv
Er geht ihnen auf den Grund und hinterfragt ihre Gültigkeit, gerade auch in Bezug auf die deutsche Sprache.

Ein wesentlicher Verdienst des Buches ist, dass Schneider ein Kenner der deutschen Sprache ist, der die – meist aus dem Amerikanischen stammenden – Regeln zum guten Schreiben nicht blind übernimmt. Er geht noch einen Schritt weiter, indem er vermittelt, was die deutsche Sprache ausmacht. Und diese Besonderheiten zu pflegen, gehört ebenso zum guten Stil, wie die Unarten zu meiden.

Schneider behandelt das Thema sehr ausführlich. Er beginnt bei dem Wortsinn (Gehalt), behandelt die Struktur der Sprache (Wortarten, Satzbau, Interpunktion), geht sogar kurz auf die Rechtschreibung ein.
Sein Hauptanliegen ist jedoch der verständliche und interessante Sprachgebrauch. Hier geht es um die Leser- und Hörerfreundlichkeit von Texten. Auch Nachrichten und Reportagen sollen den Leser fesseln. Sie sollen so geschrieben sein, dass man keinen Satz zweimal lesen und kein Wort nachschlagen muss. Darüber hinaus soll er interessant geschrieben sein, auch oder gerade, wenn das Thema fad ist. Hier beginnt das Kunststück.

Schneider behandelt kurz die lyrische Sprache, Metaphern und die Wirkung eines gelungenen ersten Satzes. Diese Themen und die Regeln von Rechtschreibung und Zeichensetzung werden aber nicht umfassend besprochen. Wer hier Bedarf hat, braucht ergänzende Lektüre.

Wer sich eingehend mit dem Thema beschäftigen will, sollte das Buch unbedingt lesen.

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4 Gedanken zu “Wolf Schneider: Deutsch für Profis.

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