Schreibpausen sind legitim

Schreibblockade oder Aufschieberei?

Heute früh las ich einen Artikel in der Federwelt über das Aufschieben beim Schreiben. Die Autorin benutzt das scheußliche Wort Prokrastinieren, was mir seltsam vorkommt, macht es doch aus einer ganz alltäglichen Sache ein rätselhaftes Insider-Phänomen. Vielleicht ist das reine Geschmackssache. Mich jedenfalls irritiert ein Sprachgebrauch, der weniger auf Verständigung, als auf Verwirrung aus ist.

Andere nennen dieselbe Sache Schreibblockade. Ebenfalls ein abstoßender Begriff, nach meinem Geschmack. Ich denke, es ist mal wieder die Sache mit dem Wasserglas: Alles eine Frage des eigenen Standpunkts, reine Ansichtssache.
Ich empfinde den Begriff „Schreibblockade“ als viel zu massiv, um ihn in diesem Zusammenhang anwenden zu wollen. Ein bisschen viel Drama steckt darin. Und zu wenig Hoffnung auf baldige Besserung. Diese Blockade scheint irgendwie schicksalhaft, kaum zu beeinflussen, schwer zu überwinden.

Da ist die Vorstellung eines Aufschiebens meinerseits schon eher nach meinem Geschmack. Wenn ich etwas aufschiebe, ist das immerhin meine Entscheidung, liegt also in meiner Hand. Ebenso könnte ich mich also entscheiden, nicht aufzuschieben, sondern zu erledigen.

Was ich mit der Autorin teile, ist die Ansicht, dass es sich gar nicht um eine so teuflische Angelegenheit handelt. Das Aufschieben bringt ja auch Gutes mit sich, nämlich, dass das Geschriebene erst einmal sacken kann, verarbeitet wird.
Kreative Prozesse finden ja kaum in einer geordneten Abfolge von Arbeitschritten statt, die nach gewissenhafter Planung 1 zu 1 umgesetzt werden. Sie erfordern ein stetes Hinschauen und Überdenken, setzen voraus, dass die  gewünschte Wirkung, die erzielten Ergebnisse wieder und wieder überprüft werden. Und die besten Ideen entstehen häufig erst, wenn die Planungsphase längst abgeschlossen ist.

Diese Prozesse der Neubewertung und Überarbeitung brauchen Zeit. Darum halte ich es für natürlich, den Schreibprozess immer wieder zu unterbrechen. Mag sein, dass der geübte Autor weniger oder kürzere Pausen braucht. In dieser Liga spiele ich noch nicht. Also gilt als Richtschnur – wie immer – das eigene Vermögen. Dieses zwingt mich dazu, regelmäßig Schreibpausen einzulegen, und zwar häufiger als erwartet.
Irgendwann erreiche ich in solchen Pausen aber den Punkt, an dem die Pause nicht mehr produktiv ist. Spätestens dann sollte ich weiter schreiben. Und diesen Punkt gilt es, immer wieder neu zu erkennen.
Daher finde ich die Pausen, die mehr oder weniger zwingend und unerwartet entstehen, nicht als störend, solange sie sich nicht zu sehr ausdehnen. Mitunter helfe ich nach, bezwinge mich, fahre den Rechner trotzdem hoch, nur um zu sehen, ob es nicht doch wieder geht.

Ich bleibe vorerst bei dem Begriff der „Schreibpausen“, zumindest, solange ich sicher sagen kann, dass die Geschichte selbst nicht ruht. Solange meine Gedanken um das Manuskript kreisen, betrachte ich das Nichtschreiben als Teil des kreativen Prozesses, als aktive Pause. Ich hätte nichts dagegen, wenn diese mit zunehmender Übung kürzer und seltener werden. Auch hier wird sich sicher irgendwann eine Routine einstellen. Aber da bin ich jetzt noch nicht.

So, und jetzt zurück ans Manuskript.

 

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2 Gedanken zu “Schreibpausen sind legitim

  1. Das sind einfach nur schöpferische Ruhepausen. Und man sollte sich während einer solchen keinesfalls unter Druck setzen. Ich schreibe manchmal über Monate nicht weiter. Eines Tages macht es dann „Klick!“, ich buddele das Manuskript wieder aus wie ein Hund seinen vergrabenen Lieblingsknochen, und weiter geht’s. 😉

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