Stichtag: 1. April

Noch 10 Tage Manuskript-Pause. Viele empfehlen ja, den Text länger liegen zu lassen. Da ist dann von vier oder fünf Wochen Minimum die Rede.
Bei mir bietet es sich an, nur bis Monatsende zu pausieren. Die Osterferien sind eine Entlastung, die ich unbedingt ausnutzen will. Und irgendwie ist so ein neuer Monat ja ähnlich wie ein neues Blatt Papier. Ich finde es schön, am Monatsanfang mit etwas Neuem zu beginnen. Und dann – ich muss gestehen – werde ich ja auch langsam unruhig.

So richtig komme ich in dieser Schreibpause gar nicht los vom Text. Klar, ich schreibe nicht, und ich lese nicht im Manuskript. Aber in Gedanken beschäftige ich mich doch immer wieder damit.
Allerdings auf einer anderen Ebene, nämlich auf der theoretischen. Ich habe seit Beenden des Manuskripts das dritte Schreibbuch in Arbeit. Und genauso meine ich das. Ich versuche, für die Überarbeitung konkrete Hinweise aus der Literatur zu ziehen, lese auch etwas in „meinem Genre“, versuche Struktur und wirksame Elemente der Texte aufzuspüren.
Das fällt mir allerdings schwer. Ganz eindeutig fehlt mir dafür noch der Blick. Dennoch: Ich sehe mir die Dialoge an über lege, was besonders ist. Stelle fest, dass man mit viel weniger Redebegleitsätzen auskommt, als ich dachte. Auch die Handlung innerhalb der Dialoge wird meist ausgespart, so dass nur noch die wörtliche Rede bleibt, und der Leser an das Geschehen im Dialog gefesselt bleibt. Ich würde das einen konzentrierten Dialog nennen.

Auch die Kapitellänge bzw. der Zeitpunkt, an dem ein neues Kapitel anfangen sollte, ist gar nicht so einfach zu bestimmen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir darüber mal so viel Gedanken machen würde. Allerdings habe ich festgestellt, dass viele Autoren eher zu kurzen Kapiteln neigen. Aus eigener Leseerfahrung kann ich sagen, dass zu lange Kapitel lästig werden können, gerade, wenn man abends liest, oder in kleinen Zeitfenstern. Wenn noch Zeit ist, liest man eben weiter. Sind die Kapitel zu lang, müsste man mitten drin das Buch weglegen, was wahrscheinlich keiner gerne tut. Auf jeden Fall unterbricht man dann auch die Geschichte. Die Kapitel sollten also räumlich und zeitlich eine Einheit bilden.

Diese Überlegung, konsequent angewandt, würde mindestens zu einer Verdoppelung der Kapitelzahl führen. Aber, wie weit würde das gehen? Jetzt brauche ich diese Frage noch nicht zu beantworten. Aber von der Idee einer überschaubaren Anzahl von Kapiteln sollte ich mich langsam verabschieden.

Und das ist es auch, als was ich die Schreibpause empfinde. Ich versuche, etwas auf Abstand zu gehen, und andere Möglichkeiten, Variationen in Betracht zu ziehen. Anhand der Lektüre versuche ich, Schwächen des Textes auszumachen. Und dann stellt sich die Frage, wie Abhilfe zu schaffen ist. Die Ratgeber werfen Fragen auf:

  • Wie kann ich den Plot so gestalten, dass er bis zum Ende spannend ist? (Hier muss der Protagonist vielleicht mehr leiden, manche Schlacht verlieren, müssen überraschende Wendungen den Leser bei der Stange halten, usw.)
  • Wie kann ich die Rolle von Protagonist und Antagonist weiter zuspitzen?
  • Wie gestalte ich einzelne Szenen und Dialoge, bringe sie auf den Punkt?

Anhand dieser Fragen verabschiede ich mich von einigen Ideen im Text, bereite mich darauf vor, die Geschichte an einigen Stellen zu verändern, ebenso wie die Figuren. Überraschend war, dass die Hauptfigur aufgrund dieser Überlegungen einen anderen Namen braucht, einen, der nicht zuviel verrät.

Auch diese Phase des Schreibens (bzw. der gedanklichen Aufbearbeitung) finde ich wieder sehr spannend. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so darauf einlassen kann, Dinge im Text zu ändern, die schon so lange feststanden. Aber, wenn ich den Eindruck habe, dass die Geschichte dadurch gewinnt, ist es kein Problem.

Der Prozess fesselt mich. Ein bisschen Zeit brauche ich auch noch. Momentan lese ich Fritz Gesing, der (in seinem 2. Buch) von einem distanzierten Standpunkt aus das Schreiben betrachtet, nämlich aus Lesersicht. Dann wäre da noch die Empfehlung von Pfeilchen (S. Englert. So lektorieren Sie Ihre Texte), Das Buch von Sol Stein (Über das Schreiben) und die Überlegung, ob ich mir den ersten Schreibratgeber von Gesing nicht doch noch zulegen soll …

Worauf warte ich eigentlich noch?

(In der „Bücherliste Schreiben“ erscheinen o.g. Exemplare erst, wenn ich sie gelesen habe.)

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5 Gedanken zu “Stichtag: 1. April

  1. Hallo Theresa, von Sol Stein „Über das Schreiben“ steht schon lange auf meiner Wunschliste (soll ja wirklich gut sein). Von Gesing kenne ich aber nur „Kreativ Schreiben“ (habe ich vor längerer Zeit einmal gelesen). Wie heißt denn sein zweites Buch? Kenne ich noch gar nicht. Neugierige Grüße
    Bianca

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  2. Wenn du es nicht mehr aushältst, dann fang an. Ist vermutlich dann auch der richtige Zeitpunkt dafür. Mit den Kapiteln habe ich auch so meine Probleme. Ich mache die Unterteilung ganz zum Schluss, wenn alles so bleibt wie es ist. Sonst muss ich ständig die Nummerierung ändern.

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