Überarbeitung: vorläufiges Konzept

Es handelt sich um einen Arbeitsentwurf für das Jugendbuch, an dem ich arbeite. Vieles dürfte auch auf andere Buchprojekte anzuwenden sein, wurde aber nicht im Sinne einer Allgemeingültigkeit entworfen.

Die Überarbeitung muss vom Großen ins Kleine erfolgen.
I. Die Figuren
Die Figuren noch einmal kritisch prüfen bzw. ihre Charaktere zuspitzen (auf den Hauptkonflikt)
Haupt- u. wichtige Nebenfiguren ausführlich, Nebenfiguren auf Hauptmerkmale reduzieren. (1-3 Stichworte)
– welches Ziel verfolgen sie?
– welche Rolle spielen sie für den Plot?
– haben sie ein gutes Motiv?
– verfolgen sie es beharrlich, um jeden Preis?
– was sind ihre Stärken/Schwächen? Und wie wirken sie sich auf die Handlung aus?
– Menschen machen Fehler, bes. unter Stress. (Welche Missverständnisse, Irrtümer, Fehleinschätzungen, Boshaftigkeiten etc. führen zu Umwegen, Sackgassen, Niederlagen?)
– wo, wann und wie ausführlich (bzw. in welchen Häppchen) werden Figuren vorgestellt? (herausragendes Merkmal von wichtigen Nebenfiguren?)
Daraus ergeben sich erste Änderungen im Plot (die Figuren frecher, hartnäckiger, aber auch widersprüchlicher machen und ihre Schwächen zeigen).

II. Mehr Spannung
Einige Änderungen zugunsten der Spannung ergeben sich aus der Lektüre von H.-P. Roentgens „Spannung – der Unterleib der Literatur“:
direkter Einstieg in den Konflikt? (dann: Entschleunigung und Vorstellen der Hauptfiguren)
Spannungskurve: Kurzzeitspannung und Langzeitspannung herausstellen. (gibt es einen rhythmischen Wechsel von An- und Entspannung? siehe: Fritz Gesing)
– überraschende Wendungen: Sind Konfliktlösungen (= der Ausgang von Szenen) vorhersehbar?
An dieser Stelle die Struktur von Absätzen und Kapitel überprüfen.
Suspense = den Leser im Ungewissen lassen. (zu viel erklärt? Nur erklären, was nötig ist für das Verständnis. Nicht jede Figur, ihre Motive und Ziele müssen durchschaubar sein. Ich-Perspektive beachten! Der Leser kann mit der Protagonisten im Dunkeln tappen. Die Protagonistin kann aber auch aufgrund von Fehleinschätzungen ein anderes Verhalten erwarten, während der Leser schon ahnt, dass sie sich irrt.
Joker: wechselt eine Figur die Seite oder tritt sie aus dem Schattendasein ins Zentrum einer Handlungsfolge? Bei mir gibt es eine Figur, die plötzlich mitmischt. Vielleicht sollte ich diesen Aspekt noch verstärken, indem ich ihr zumindest für eine Passage / ein Kapitel eine tragende Rolle gebe.

III. Setting
In der fiktiven Welt soll sich der Leser zurecht finden. Die Schauplätze müssen prägnant geschildert werden, so dass der Leser sich schnell ein Bild machen kann.
– sind wichtige Schauplätze besonders?
– gibt es ein Erkennungsmerkmal? In welcher Verbindung steht der Schauplatz zur Hauptfigur? Welche Bedeutung hat er für den Plot?
– wo finden wichtige Szenen statt?
wo fängt die Geschichte an, wo endet sie?
Hier geht es mehr um Überlegungen, die den Plot betreffen. Das Schreiben bzw. Umschreiben von Ortsbeschreibungen erfolgt im Zusammenhang mit der Erzählstimme.
Nach dieser Phase sollte die Plotstruktur stehen. Jetzt geht ’s ins Detail.

IV. Szenen verbessern
Szenen für die wichtigsten Handlungsfolgen bzw. Konflikte reservieren. Überprüfen, was szenisch und was narrativ erzählt werden soll. Ich wünsche mir etwas mehr Erzählpassagen. Die Szenen kennzeichnen. Zu den Erzählpassagen komme ich später.
– Szene = Konflikt (dicht am Konflikt einsteigen, steigern und nach Lösung Szene beenden. Siehe: M. Johanus: „spät rein, früh raus“. Keine Nachkommentare.)
-Show, don’t tell. (Zeigen oder im Dialog darstellen, was passiert. Nicht kommentieren oder behaupten.)
Dialoge:
– Dialogstimmen der einzelnen Figuren unterscheidbar? (Stimmig mit Charakter, Alter, …)
– schlagfertig – unlogisch – überraschend – rücksichtslos – ironisch – beleidigend – verlogen
Dialoge sind das Herzstück der Szenen; in ihnen kommt es zu überraschenden Wendungen, verletzten Gefühlen, emotionalen Ausbrüchen, Verschärfung des Konflikts. (Nach ungewöhnlichen Lösungen suchen.) Sie sollten keinesfalls absehbar verlaufen, sonst sind sie keine Szene wert, sondern können in einer kurzen Passage zusammengefasst werden.
Die Figuren sprechen für sich. Redebegleitsätze und Handlungen im Dialog nur sparsam und gezielt einsetzen, da sie den Lesefluss unterbrechen.
– ein guter Dialog braucht zwei starke Figuren. Und jede verfolgt ihre eigenen Ziele. (Schon im Sinne der Spannung sollte man es seinem Protagonisten nicht zu leicht machen.)
– Szenen sollen
a) Fragen beantworten
b) neue Fragen aufwerfen
c) Konflikte nicht einfach und direkt lösen. Mehrere Teillösungen sind möglich, bzw. Hinweise auf die Lösung (wer/was kann dabei helfen?)
d) auf verschiedenen Ebenen Neues bringen: Figuren, Plot, Setting. (siehe: M. Johanus: „Mehrdimansionalität“)
Nachdem die Szenen fertig sind, geht es jetzt an die Erzählpassagen.

V. narratives Erzählen
Beschreibungen kurz und einprägsam. (alle Sinne berücksichtigen, evt. Erinnerungen, wenn sie aussagekräftig sind und kurz gefasst)
Erzählstimme:
Wie unterscheidet sie sich von der Figur, und ist dennoch glaubwürdig?
– alters-, zeitgemäß
– überzeugende und überraschende Vergleiche aus der Erfahrungswelt der Protagonistin (erzeugen schnell ein visuelles Bild u. vermeiden umständliche Beschreibungen)
Metaphern: gezielt, treffsicher (stellen inhaltliche Zusammenhänge her, keine reinen Bilder!)
klare und prägnante Sprache (Zielgruppe beachten): keine komplizierten Satzkonstruktionen, Fremdworte, abgedroschene Wendungen (als Figurenstimme denkbar, aber nur bei geringem Redebeitrag).
– Redewendungen können überraschend sein, wenn sie abgewandelt oder umgestellt werden. (Auch hier bietet sich vielleicht eher eine Figurenstimme an)
Sprachrhythmus: kurze und lange Sätze, aber nicht zu lang.
-Klang der Sprache beachten! (laut lesen oder aufnehmen)
Wiedererkennungswert:  ist sie konstant über die Länge des Manuskripts?!!!

VI. Korrekturen
Rückmeldung der Testleser berücksichtigen. (Nach welchem Überarbeitungsschritt sie das Manuskript bekommen, entscheide ich später)
– Logische Fehler
– unglaubwürdige Figuren (altersgemäß?), umständliche Verhaltensweisen, unrealistische Abläufe
– langweilige Passagen / Kapitel
– unzureichend erklärt / beschrieben?
Rechtschreib- und Grammatikfehler
Namen, Ortsnamen, Titel endgültig festlegen
Expose, Pitch, Klappentext.

 

 

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8 Gedanken zu “Überarbeitung: vorläufiges Konzept

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