Denkanstoß und Dominoeffekt

Ein Satz in einem Artikel der aktuellen Federwelt  gab den Anstoß, der mir für die Überarbeitung des Plots noch gefehlt hat.

Anke Gasch schreibt darin über die Erzählfolge,  ein Thema, das mich in den letzten Tagen auf der Satzebene schon beschäftigte. Gemeint ist, dass man die Ereignisse in der Reihenfolge ihres Eintretens erzählt. Beispiel:

„Die Tür schlug mit einem lauten Knall zu und ich fuhr zusammen.“

Hier wird chronologisch erzählt, wodurch der Erzählfluss in Gang bleibt. Ungeschickt dagegen wäre diese Satzkonstruktion:

„Ich fuhr zusammen, als die Tür mit einem lauten Knall zuschlug.“

Der Satzaufbau im 2. Beispiel erscheint eleganter. Aber der Erzählfluss wird unterbrochen, weil Ereignis 2 vor Ereignis 1 erzählt wird. Was die Sprache angeht, sollte man ruhig noch nachbessern. Vom inhaltlichen Aspekt aus, ist er aber die bessere Wahl.
Da wir in der Schriftsprache auf intelligent und kunstvoll erscheinende Satzkonstruktionen getrimmt wurden (Schule) und werden (Medien), ist eine Durchforstung des Manuskripts auf diesen Aspekt hin sinnvoll und notwendig.

Was aber meinen Plot ins Rollen brachte, war ein ganz anderer Gedanke, den A. Gasch anführt. Diesmal geht es um die Entwicklung der Ereignisse im Ganzen. Sie spricht vom Dominoeffekt und folgert:

„Viele gute Geschichten funktionieren genauso:  Ein Ereignis führt zum nächsten. (…) Unser Job als AutorInnen ist es, Ereignisse zu erfinden, die unsere HeldInnen zum Handeln zwingen, und die Folgen dieses Handelns zu zeigen.“ (Anke Gasch, Federwelt Nr. 111, S.66)

Natürlich habe ich dieses Prinzip, dass sich eins aus dem anderen ergibt, beim Entwerfen der Geschichte berücksichtigt. Allerdings war mir schon während des Planens (Outlinig) bewusst, dass im letzten Drittel etwas mit meiner Geschichte nicht stimmt.
Ich dachte zunächst, dass der letzte Teil nicht dazugehört. Er kam mir vor wie ein Anhängsel. Die Geschichte fiel immer wieder in zwei Teile. Mein Schreiblehrer nahm mir diese Bedenken und ich ließ es so.

Beim Schreiben des Manuskripts war mir  klar, dass ich den Plot im letzten Drittel gründlicher würde nachbearbeiten müssen, als den ersten Teil. Aber warum? Und vor allen: wohin sollte das führen? Mir fehlte der Ansatz für eine Nachbesserung.

Erst beim Lesen dieses Artikels war mir plötzlich klar, dass der Dominoeffekt im letzten Teil des Buchs fehlt. Die Reihenfolge der Ereignisse ist beliebig. Und das ist kein gutes Zeichen. Ich werde sie also besser verknüpfen müssen.
Da es sich um eine Suche handelt, bedeutet das:

Ein Hinweis, der gegeben wird, führt zum Handeln der Protagonistin, wodurch sich neue Ereignisse entwickeln und neue Erkenntnisse ergeben usw.

Endlich wusste ich, woran ich arbeiten musste. Noch einmal habe ich mein Whiteboard komplett leer gewischt. Jetzt stehen sämtliche Szenen ab Kapitel 10 darauf. Die meisten Szenen sind erst einmal drin geblieben. Einige habe ich in der Reihenfolge umgestellt, neue werden hinzukommen.  Es war ein hochkonzentriertes Arbeiten, den Plot im Kopf umzustellen. Das Umschreiben wird noch so eine Herausforderung sein.

Ich weiß aber, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und das verdanke ich einem kleinen Artikel in der Federwelt. Das ist genau der Grund, warum ich so viel über das Schreiben lese. Es liefert immer wieder Denkanstöße für das eigene Schaffen.

 

 

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