Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt

Ein ungewöhnlicher Roman, auf der Schwelle zum Erwachsenwerden:
Der Verlag selbst sträubt sich vor einer Zuschreibung und empfiehlt ihn erwachsenen und jugendlichen Lesern gleichermaßen.

Diese Geschichte ist eine Schatztruhe, ein Funken sprühender Ritt durch eine Wirklichkeit, die stets unerbittlich bleibt. Dabei schwankt sie zwischen verschwommener Traumwelt und greller Realistik.

Mit unverfälschtem Blick schildert Steinhöfel diese Welt durch Phils Augen, den wir – in mal kleinen Schritten, mal in Sprüngen  – heranwachsen sehen. Und mit ihm fangen wir an, seine Welt zu begreifen: Schritt für Schritt, während sich der Kreis tatsächlich erst am Ende schließt. Mit Phils Augen staunen, fürchten, lieben wir seine Welt und ihre Figuren, die uns in ihrer Ausschließlichkeit messerscharf vor Augen treten.

Anfangs irritieren die Zeitsprünge, machen auch ein nochmaliges Nachlesen schwierig. Doch stellen sie die Ereignisse in einen anderen, nicht chronologischen, sondern thematischen Zusammenhang.

Der Roman steckt voller Überraschungen. Liebevoll bringt der Autor Figuren unter, die scheinbar unbedeutend, und letztlich nur ein Puzzlestück in Phils magischer Welt sind. Allein diese Auftritte machen das Buch lesenswert. Aber auch Zaubertricks, die Steinhöfel aus dem Ärmel zieht, bereiten wahres Lesevergnügen:

Paleiko, die sprechende Puppe, die nie zu viel und nicht immer das Richtige sagt.
Händel, der schwafelnde Lehrer, der die Erlebnisse vorweg nimmt oder im Nachhinein kommentiert. Das geschieht so nebenbei, dass man es erst in der Wiederholung registriert. Namen, die für sich sprechen, und nur deshalb nicht plakativ erscheinen, weil sie wirklich treffen, und doch die Ausnahme bleiben: Glass, Wolf, der Brocken, Herr Tröht.

Vor allem aber sind es die Figuren, radikal und weit von jedem Klischee, die das Buch, trotz all seiner Unwirklichkeit , in höchstem Maß authentisch machen. Vieles bleibt ungesagt. Und gerade diese Lücken geben den Figuren etwas Rätselhaftes, das ihnen bis zum Schluss anhaftet, und die Fantasie des Lesers beschäftigt.

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3 Gedanken zu “Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt

  1. Siehst du, so unterschiedlich sind die Geschmäcker hinsichtlich der Klischee-Schubladen-Sache. Du sagst hier, die Figuren seien von jedem Klischee weg und ich fand die ganze Geschichte und die Figuren so überzeichnet und unecht, dass sich die Erzählung unwirklich und realitätsfremd anfühlte.
    Aber ich bin auch mit anderen Büchern Steinhöfels nicht unbedingt warm geworden, z.B. der Mechanische Prinz.

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