Andi Rogenhagen: Heldensommer

Zugegeben, das Buch ist etwas gewöhnungsbedürftig, weil es ungewöhnlich ist. Das ist ja kein Fehler. Und ich muss sagen, dass ich es zum Schluss sogar etwas wehmütig zur Seite gelegt habe. (Obwohl der Herr Rogenhagen für meinen Geschmack etwas zu viel vom Wichsen spricht. Ach ne, das ist ja sein Protagonist Philipp. Dennoch …)
Rogenhagen ist vor allem als Regisseur bekannt („The final Kick“, „Einen Tick anders“). Bei den meisten seiner Filme hat er auch das Drehbuch geschrieben.

„Heldensommer“ ist sein erster Roman. Und das Ungewöhnliche daran ist wahrscheinlich darin begründet, dass Rogenhagen in Filmen denkt.
Autoren wird ja immer wieder geraten, an Filmen Dialoge zu studieren. Warum eigentlich?
Dialoge sind im Buch die Möglichkeit, Figuren lebendig zu machen. Sie haben hier also eine starke Wirksamkeit. Natürlich trifft das auch auf den Film zu. Dort besteht aber auch die Gefahr, dass sie die Handlung verzögern, wenn sie zu lang werden. Wer einen Film sieht, will sich ja nicht bloß Dialoge anhören.
Also sollten Filmdialoge besonders originell, witzig, überraschend – anders eben – sein. Gute Filmemacher können das.
„Heldensommer“ ist kein Buch, das eigentlich ein besserer Film geworden wäre.  Es nutzt die Möglichkeiten des Schreibens aus. Verknüpft mit einem filmischen Denken des Autors kommt Folgendes dabei raus:

Die Dialoge sind ausgesprochen authentisch, und zwar Inhalt und Form gleichermaßen. Nicht nur die Sprache überrascht durch ihre Ehrlichkeit. Rogenhagen präsentiert uns glaubhaft die verquere, emotinal getränkte und oft  banale Gedankenwelt eines 15-Jährigen.
Philipps Gedanken machen einen Großteil des Buchs aus. Diese Gedanken sind die eigentlichen Dialoge des Romans, die inneren Dialoge. Sie bilden einen starken Kontrast zum äußeren Dialog, beide stehen sich – oft  unvereinbar – gegenüber.
Und das ist das Überraschende an der Hauptfigur: Sie schafft es, innere und äußere Welt zusammenzubringen, lebt mit den Widersprüchen, die sie selbst  erschafft. Zum Schluss bringt Philipp die Enden zusammen. Hier ist es ein Ausdruck, dass er innerlich gereift ist.

„Ingo und Borawski haben jetzt merkwürdigerweise ebenfalls ihre Arme in die Hüften gestemmt. Es scheint die international anerkannte Körperhaltung zu sein, wenn man gemeinsam etwas Wichtiges sucht.
So stehen wir uns im Kreis gegenüber. Wie eine Gruppe Männer, die gleich ein Raumschiff reparieren wird und es akzeptiert hat, die Erde eventuell nie wiederzusehen. Obwohl natürlich alles Menschenmögliche dafür getan wurde, dass es gut geht.  Aber, dieses männliche Restrisiko, egal, ob bei der Raumfahrt, beim Segeln oder beim Saufen – das kann man den Bartstoppeln in den Werbungen immer ansehen, wenn sich die Typen gegenüberstehen und ein letztes Mal zunicken, bevor sie gemeinsam in ein Schnapsfass springen. “

 

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3 Gedanken zu “Andi Rogenhagen: Heldensommer

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