Der Handwerker

Der Handwerker hat einen bestechend deutschen Namen. Fast schon zu viel des Guten. Ein Allerweltsname. Der Name sagt: „Vertrau mir..“
Der Handwerker sagt: „Das kriegemaschon.“ Er spricht mit russischen Akzent.  Er redet. Er guckt, er misst. Er redet.
Eine vage Handbewegung, ein paar unverständliche Worte und das Kunde-ist-König-Mantra: “ Das kriegemaschon.“

Ich bin ein misstrausischer Kunde und werde prompt misstrauisch. Ich will Nägel mit Köpfen, Zahlen, Daten, Fakten. Ich will klare  Kommunikation, ergebnisorientiert.

Der Handwerker ist ein Sprachkünstler. Er laviert sich durchs Kundengespräch, legt sich nicht fest, signalisiert Zuversicht. Er gibt mir eine Visitenkarte („Rufense an“) und seine Handwerkerpranke. Zum Schluss  sagt er: „Das kriegmaschon.“

Die Kommunikation am Telefon ist schwierig. Irgendwie passen die Antworten nicht auf die Fragen. Sätzen laufen aneinander vorbei.

Der Handwerker bringt einen Kostenvoranschlag mit.
„Gut“, denke ich. „Immerhin.
Er schimpft über Ausländer („Das sind die Schlimmsten.“)
Ich bin irritiert.
Bevor er geht, zeigt er mir Handyfotos von Pflaster- und Fliesenarbeiten.
„Komisch“, denke ich, und: „Ganz schön hässlich.“
Er hätte da noch Platten für den Weg, sagt er.
„Ne, ne. Die Platten besorg‘ ich schon.“
„Is gut“, sagt er. „Das kriegma schon.“

Was ist mit dem Kostenvoranschlag?
„Können Sie mir einen Festpreis machen?“
„Na, ichweßnich. Brauchemer ein Kontainer? Und wie lang is de Gartenweech? Weiß ich auch nich, was darunter is. Brauchemer vielleich noch mehr Kies.“
Ich schlage vor, dass er noch einmal kommt, noch einmal misst, unter die alten Platten guckt.
„Is gut“, sagt er. Und: „Dann sehemer weiter.“

Jetzt beginnt die Phase des Zweifelns. Ich nehme mir vor, auf dem Festpreis zu bestehen. Ich kenne ihn doch gar nicht. Inzwischen habe ich Platten ausgesucht. Der Handwerker kommt und misst. „Hamseschon Platten?“
„Muss ich erst bestellen. Vorher wüsste ich gern, wie teuer es wird.“
Er will Montag anfangen.
„Montag is schlecht. Hab‘ ich Besuch.“
„Gut. Fangema Dienstag an.“

Montag Abend ruft er an: „Morgen früh kommich. 7 Uhr?“
Ich schinde noch eine halbe Stunde raus, verschlafe aber  prompt. Als er kommt, ist meine Tochter gerade zur Tür raus.
Er hat den Kostenvoranschlag wieder mitgebracht, ein paar Posten geändert. Das ist jetzt mein Festpreis.
Wirklich?

Der Handwerker will heute anfangen.
Er misst noch mal, rechnet nach. Wir einigen uns auf 18 Quadratmeter.
Der Handwerker muss nochmal weg.
Ich räume, fege, schaffe Zeug in den Keller. (Ich hatte nicht gedacht, dass es heute schon losgeht.)
Der Handwerker kommt zurück.
Er bringt Gerätschaften mit.
Der Handwerker arbeitet.

Später schimpft er wieder über Ausländer („Das sind die Schlimmsten.“) Ich überhöre es, wie alles andere, das ich nicht verstehe. Wer weiß? Vielleicht ist es eine Falle.

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2 Gedanken zu “Der Handwerker

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