„Wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller?“

Das Buch von Haslinger und Treichel (Hrsg.) lässt 11 Autoren zu Wort kommen, die am Deutschen Literaturinstitut Leipzig gelehrt oder studiert haben. In den Schlusskapiteln äußern sich die Herausgeber selbst zum Thema.
Es geht um Möglichkeiten des institutionellen Lernens, um die Vermittlung schriftstellerischer Fertigkeiten, und was dieses überhaupt sein könnten.

Gibt es einen Konsens? Hier ein Versuch, den gemeinsamen Nenner zusammenfassend darzustellen:

1. Das tägliche Schreiben und Lesen sind die Grundpfeiler des Schreibenlernens.
2. Die Besprechung der eigenen Texte vermitteln die Perspektive des Lesers und können helfen, den eigenen Text, kritisch zu beurteilen. Das zu lernen ist unausweichlich, da es eine sinnvolle und zielgerichtete Überarbeitung des Geschriebenen erst ermöglicht.
3. Handwerkliche Fähigkeiten, wie sie in Schreibratgebern vermittelt werden,  sind nicht zu verachten.

Das Studium bringt den angehenden Autoren in ein optimales Lernumfeld. Es schafft Bedingungen, von denen der autodidaktisch Lernende nur träumen kann. Gerade die sprachlichen und ästhetischen Mittel lassen sich so besser vermitteln, als durch das Lesen entsprechender Bücher. Diesen fehlt immer der wechselseitige und aktive Part des Lernenden. Dennoch stellen einige der Autoren den Mehrwert des institutionellen Lernens in Frage, warnen zumindest vor zu hohen Erwartungen. Auch dort kann man eben nicht „garantiert schreiben lernen“.
Jo Lendle betont, dass alles auch im Selbststudium gelernt werden kann. Natürlich kann man sich selbst anhalten, täglich zu schreiben, zu lesen, kann Schreibratgeber lesen. Aber es dauert eben auch länger, wenn man die Sache quasi nebenberuflich und im Alleingang lernt.
Was im stillen Kämmerlein fehlt, ist der Austausch mit anderen Schreibenden. Auch hier gibt es Versuche, z. Bsp. in Schreibforen, Abhilfe zu schaffen.
Ich würde aber das direkte Gespräch vorziehen. Ich denke, gerade, wenn es um die kritische Auseinandersetzung von Texten geht, sollte der Austausch darüber
*persönlich
*wechselseitig
*Orts- und zeitgebunden sein.
Ich halte einige der Essays für sehr lesenswert. Anregend fand ich zum Beispiel Katja Lange-Müllers Hinweise zum strengen Komponieren und Konzentrieren von Erzählungen oder Juli Zehs Bericht darüber, wie sich ihr Schreiben durch das Studium verändert hat. Auch interessant ist: die Autoren kommen aus allen Gattungen (Prosa, Lyrik, Drehbuch, Theater).

Mich hat das Buch vor allem darin bestärkt, mehr den direkten Austausch zu suchen. Lange genug habe ich im stillen Kämmerlein gearbeitet. Umso mehr freue ich mich jetzt auf meinen erstes Präsenz-Schreibseminar.
Und bis dahin werde ich meinen Hintern noch ein bisschen platter sitzen, denn die Überarbeitung soll nicht länger als bis Ende Juli dauern. Also doch wieder die Einsamkeit der Schreibstube …

 

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