WIE schreiben? Gedanken zur Sprache

Nachdem ich das WAS jetzt  gründlich abgeklopft habe, der Plot zu funktionieren scheint, und gröbere Fehler ausgemerzt sind, dreht sich nun alles um Sprache.

WIE also schreiben?
Wie zu allen anderen Aspekten des Schreibens wurde auch darüber viel gesagt und geschrieben. Aber letztendlich: Was hilft ’s?
In die eigene Sprache zu finden, scheint doch eine recht einsame Angelegenheit zu sein. Wer oder was könnte da helfen?

Vielleicht ist es gar nicht so ungewöhnlich, sich in den Extremen zu probieren, um dann – sanft von Pol zu Pol schaukelnd – sich irgendwann in der eigenen Mitte zu finden.
Das freie Drauflos-Schreiben kennt wohl jeder. Es ist das Erste, das man versucht. Aber natürlich hat es immer diesen Touch des Unzureichenden.

Also ist der zweite Schritt das Feilen, Verbessern, Korrigieren (Stichwort: Innerer Zensor). Zieht man Ratgeber hinzu, was ich reichlich getan habe (und immer noch tue), kann es ein regelrechtes Gemetzel werden.
Ich habe Wörter gezählt, Sätze gekürzt, ganze Passagen gestrichen, umgeschrieben, neu geschrieben.
Unter besonderer Strafe stehen üblicherweise
+ Bandwurmsätze
+ Adjektive (Ja, die bösen Adjektive. Aber: Wem sage ich das…)+ nichtssagende Füllwörter, die vom Wesentlichen ablenken: wohl, auch, deshalb, eigentlich, eher, schon, und wie sie alle heißen.

Eine radikal betriebene Inventur der Sprache nach solchen Kriterien gleicht einer Unkrautvernichtung, bei der die Nutzpflanze gleich mit ausgerottet wird. Am Ende bleibt ein Sprachskelett stehen, das wirklich niemanden mehr fesseln kann.
Was bleibt sind Sätze, die nach Polizeibericht klingen. Oder wie grammatische Übungssätze, reduziert auf ihre Hauptbestandteile: Subjekt – Prädikat – Objekt.

Hat man diesen Punkt erreicht, ist es Zeit für eine erneute Wende, weg von diesem Pol der Reduzierung, zurück zu einer lebendigen Sprache, die aber doch raffinierter ist, als das anfängliche Losgeschreibsel.
Wolf Schneider relativiert die Forderung nach totaler Reduzierung und absoluter Einfachheit der Sprache:

Der klassische deutsche Satz besteht aus einem Hauptsatz mit angehängtem Nebensatz; …    
(W. Schneider. Deutsch für Profis. S. 97)*

Die Kur muss, nein: darf nicht so radikal vollzogen werden. Und da sind wir bei der eigentlichen Fragestellung angekommen:

WAS soll ich streichen?
Redundantes = Überflüssiges. Sylvia Englert zählt auf: „Wiederholungen, Holprigkeiten und Füllwörter“ (S. Englert. So lektorieren Sie Ihre Texte. S. 97)*
Jetzt sind wir wieder bei den Adjektiven und Füllwörtern angekommen. Diesmal gilt es sie zu prüfen: Was tragen sie zum Text bei? Es empfiehlt sich, den fraglichen Satz einmal mit, einmal ohne Adjektiv zu lesen. Was ist der Unterschied?
Nicht immer ist das Streichen nötig. Manchmal ist es aber besser, auf diese kleine Zusatzinformation zu verzichten, weil
+ die Aussage prägnanter wird oder weil+ an dieser Stelle ein kurzer Satz besser ist ( Kurze Sätze haben einen mehr faktischen Charakter, erhöhen das Tempo, können zum Luftholen zwischen langen Sätzen dienen, und damit einen Rhythmus erzeugen).

Das bedeutet, dass ich nun einen Schritt zurücktreten muss, um mir den Kontext anzusehen. Jeder Satz in meinem Manuskript markiert eine bestimmte Stelle in der Geschichte. Er bezieht sich auf vorangegangene und noch folgende Sätze. Er ist entweder ein Satz des Erzählers oder der einer Figur.
Vielleicht ist das Schwierigste an der Sache, eine einheitliche Sprache, eine eigene Stimme zu finden, ohne alles über einen Kamm zu scheren. Die feinen Nuancen müssen bleiben: Dialogstimmen, die wichtige Figuren auszeichnen, die  beschreibende Sprache des Erzählers in ruhigen Passagen und die prägnante Sprache in handlungsbetonten Spannungsszenen. All das unterzubringen, ohne einen widersprüchlichen Eindruck zu vermitteln, ist eine Herausforderung.

Prüft man einzelne Elemente Im Text nach den Kontextkriterien, klopft die sprachlichen Mittel ab (Metapher, Bilder, Umgangssprache), nähert man sich einer persönlichen Gewichtung, verpasst seinem Text eine persönliche Prägung. Der Rest muss dann vielleicht doch aus dem Bauch kommen. Für diese letzte Prüfung habe ich mir ein Diktiergerät angeschafft. Ob ’s helfen wird, wird sich zeigen.

Dies sind meine persönlichen Überlegungen zum nächsten Überarbeitungsschritt. Wer andere Ideen, Erfahrungen, Konzepte hat, kann gerne kommentieren. Anregungen sind immer hilfreich.

* siehe: Bücherliste SCHREIBEN

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2 Gedanken zu “WIE schreiben? Gedanken zur Sprache

  1. Es gilt wohl, dass für jeden Text immer aufs Neue der richtige Ton getroffen werden muss. Dass das ein eigener Ton ist, wird sich wohl immer erst im Laufe der Zeit ergeben. Ich glaube auch, dass es eine gute und bereichernde Erfahrung ist, sich mit den Texten anderer auseinanderzusetzen und auch einmal zu versuchen, eigene Texte so zu verfassen. Maler tun das ja auch, sie kopieren Bilder, um zu verstehen, was ein anderer Maler getan hat.

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