Bauchgefühl

Immer wieder stellt sich ein Unbehagen ein, was den Anfang meines Manuskripts betrifft. Inzwischen weiß ich, dass dieses Bauchgefühl meist Recht behält.

Schon bei der Lektüre von Peter Röntgens Buch über Spannung, fing ich an zu zweifeln. Zu viel Vorrede, Einleitung, Abschweifung?
Roentgen ist nicht der Einzige, der einen schnellen Einstieg fordert.
Typischer Anfängerfehler also, das weite Ausholen, bevor die Geschichte in Fahrt kommt?

Ich glaube, es spiegelt  den Prozess des Schreibens wider, bei dem ich viel Zeit brauchte,  viele Seiten schreiben musste, um in den Flow zu kommen.
Mir war schnell klar, dass ich den Anfang nachbessern müsste, und, dass es (zumindest mir) kaum möglich ist, dass er gleich beim ersten Versuch gelingt.

Also überarbeiten. Darum steht das Thema wieder an. Schnell entstand ein Berg von Fragen nicht nur zum ersten Satz, sondern grundsätzlich zum Anfang der Geschichte.

Was macht einen guten Anfang aus?
Wo wäre ein guter (spannender) Einstieg?
Wie bekomme ich trotzdem die wichtigen Beschreibungen unter?
(Eine Figur, die gleich zu Anfang der Geschichte abreist, muss vorher beschrieben werden, auch ihre Beziehung zur Hauptfigur muss klar werden.) Wie kriege ich das unter, ohne, dass es langweilig wird?
Welche Passagen kann ich kürzen oder streichen?
Was kann ich später nachholen?

Und die wichtigste von allen, die Frage nach dem ersten Satz.

Sol Stein schreibt zum ersten Satz:

Ihre ganze Geschichte, Ihr ganzer Roman hängt vielleicht davon ab,  ob der erste Satz darin das Interesse des Lesers gewinnt.

Das macht es nicht gerade leichter. Er gibt auch Hinweise, wie der erste Satz das bewerkstelligen soll oder kann:
1. Möglichkeit
Der erste Satz führt eine Figur ein.
Er kann auch gleich eine (spannungsgeladene) Beziehung zur Sprache bringen. In jedem Fall sollte etwas Besonderes an der Figur sein, das das Interesse des Lesers wecken kann.
2. Möglichkeit
Der erste Satz führt in eine Handlung ein, nimmt also gleich den Faden der Geschichte auf. Diese Handlung muss in jedem Fall ungewöhnlich sein, wenigstens ein Detail sollte von der Norm abweichen, um den Leser zu fangen.

In beiden Fällen schlägt Sol Stein vor,  etwas Ungewöhnliches, Überraschendes oder Schockierendes einzufügen, da das Normale in der Regel nicht unser Interesse weckt.
Vergleicht man nun mit den ersten Sätzen der Bücher, die man im Regal hat, erfüllen die meisten nicht diese Anforderungen. Häufig kommt die Geschichte erst später in Fahrt, was durchaus legitim ist. Stein rät aber dringend dazu, die Geduld des Lesers nicht länger als 3 Seiten zu strapazieren, da man ihn danach mit großer Wahrscheinlichkeit verloren habe.

Will man ihn gleich an der Angel haben, sollte man sich also gründlich den Kopf zermartern über den ersten Satz. Was ich nun noch einmal tun werde.

 

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