Jenny Valentines: Kaputte Suppe

Super Titel. Super Idee. Super Geschichte.

Rowan steht in der Warteschlange an der Kasse des kleinen Ladens. Auch ihre Freundinnen sind dabei, aber ausgerechnet sie ist es, dem der fremde Junge das Fotonegativ gibt. Er behauptet, sie hätte es fallen lassen. Was nicht stimmt. Er beharrt nicht darauf, hält es ihr hin, bis sie es schließlich nimmt. Damit die Sache nicht peinlich wird. Damit sie nicht länger angestarrt wird, und ihre Freundinnen aufhören zu kichern.
Mit ihren Freundinnen ist es sowieso nicht mehr wie früher, als Jack noch lebte. Als sie noch Zeit hatte, ein Teenager zu sein, und sich noch nicht um ihre kleine Schwester kümmern musste, die ja noch nichts begreift. Und um ihre Mutter, die allerdings eher ein Schatten ihrer selbst ist, die die Trauer nicht mehr loslässt.

Eigentlich dreht sich alles um Jack, Jack, der gestorben ist. Jack, der erst verschwand und dann plötzlich tot war, was unwirklich und unbegreifbar ist.
Jenny Valentines Geschichte beginnt mittendrin, ohne Vorrede, ohne Einführung von Figuren oder Schauplätzen. Sie beginnt mit dem ersten Plotpoint, nimmt also sofort Fahrt auf.
Die Hintergründe der Geschichte rollt sie nach und nach auf, flechtet sie geschickt in die Erzählung ein. Und das Rätsel um das Negativ wird von Rowan nach und nach aufgedeckt, während die Ereignisse ihren Lauf nehmen. Die Geschichte entwickelt sich nach vorne, obgleich sie rückwärts gerichtet ist, die vergangenen Ereignisse erklären will. Diese zwei Richtungen sind der Motor, die, ohne sich gegenseitig auszubremsen, die Sache am Laufen halten.

Obwohl die Trauer um Jack immer präsent bleibt, ist es keine traurige Geschichte. Sie hat alles, was eine gute Geschichte braucht:
Symphatische Figuren, die ein Ziel verfolgen, auch wenn dem Leser oft nicht klar ist, welches, ein Rätsel, das gelöst werden muss, eine leichte, typisch englische Erzählweise, die Schwieriges einfach auszudrücken vermag. Valentines spielt auf Zeit. Sie füllt die Lücken des Rätsels in angemessenen Dosen, hat stets eine Prise Suspense im Gepäck (Spannung durch offene Fragen), und so begleitet der Leser ihre Figuren auf einem angenehmen Ritt der Lösung des Rätsel entgegen.
Dass die Geschichte sich dennoch nach vorne entwickelt, macht die Geschichte so lebendig. Es geht nicht nur darum, das Rätsel zu lösen. Das geschieht über lange Strecken eher nebenbei. Es ist mehr ein Miterleben der Figuren, die genug zu bieten haben, um den Leser zu fangen.

Eine schöne, traurige, komische und spannende Geschichte – wie das Leben eben. Aber auf den Punkt gebracht.

 

 

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