Überarbeitung: Sprache / Beschreibungen

1. Figuren

Orte und Figuren sollten nicht zu ausführlich beschrieben werden. Besser ist es, ein charakteristisches Detail herauszustellen. Bei Figuren kann das
ein äußeres Merkmal (Markante Nase, Haare etc. Körpergröße, Narbe, Tattoo usw.) sein oder
eine Handlung (eine Gewohnheit, eine bestimmte Art sich zu bewegen, ein Humpeln). Man sollte auch an die anderen Sinne denken, z. Bsp. den Geruch (ein bestimmtes Parfum, Waschmittel, oder es riecht jemand nach der Küche, der Wäscherei, der Tankstelle, in der sie / er arbeitet.) Wichtig ist nur, dass man nicht ausufernd wird.

Sol Stein¹ empfiehlt, bei Figurenbeschreibungen vom Gesamteindruck auszugehen, und dann ins Detail zu gehen. Dabei ist es geschickt, wenn man die Beschreibung in die Handlung oder Szene mit einbaut. Dadurch wird es nicht so schnell langweilig.

 

2. Schauplätze

Wie bei den Figuren, sollte man sich auch hier auf das Wesentliche beschränken. Jeder hat sofort eine Vorstellung, wenn er liest, dass die Szene in einer Küche, einem Keller, auf einer Brücke, in einem Schwimmbad oder Park spielt. Es entsteht sofort ein Bild im Kopf. Bei der Beschreibung geht es darum, diese Vorstellung zu lenken. Was also unterscheidet diese Küche von anderen, von der des Lesers, die er vielleicht visualisiert?
Auch hier spielen äußere Merkmale eine Rolle: Größe, Farben, Licht (hell-dunkel), Inventar (modern, spartanisch, altmodisch), Einrichtung (Grünpflanzen, Gardinen, Bilder) und vielleicht auch, wie un/aufgeräumt der Raum ist.
In diesem Beispiel erfährt der Leser über die Beschreibung des Ortes auch etwas über die Figur/en, die die Küche nutzen und den Raum gestaltet haben.
Auf diesen Aspekt weist F. Gesing² mehrfach hin, dass die Beschreibung von Schauplätzen kein Selbstzweck sind, sondern immer mit der Geschichte und den Figuren in Zusammenhang stehen. Diesen Zusammenhang stellt die Beschreibung her, ohne ihn konkret zu formulieren.
Darum ist es wichtig, sich klar zu machen, welche Rolle die Schauplätze in der Geschichte haben. Sie können
+ bestimmte Figuren verbinden
+ öffentlich oder privat sein
+ Orte für best. Szenen (Freunschaft/Liebe/Konflikt) sein
+ eine bes. Bedeutung für die Protagonistin haben (Erinnerung, heimliche Orte, Rückzugsort)
Diese Funktion muss plausibel sein, sie muss sich aus der Lage, Beschaffenheit etc. des Ortes ergeben, denn in einer Geschichte gibt es nichts Zufälliges außer dem Zufall selbst.
Schauplatzbeschreibung sind eine gute Möglichkeit, Stimmungen zu erzeugen und Andeutungen für spätere Wendungen zu machen. Dabei wird häufig das Wetter genutzt. Es kann aber auch ein Detail sein, das gar nichts mit der Geschichte zu zu haben scheint. Etwas, das nur als Hinweis auftaucht. (Ein liegengelassener Gegenstand, der an eine Figur erinnert, die später vermisst wird, ein klingelndes Telefon, das keine Rolle für die Handlung spielt, aber auf einen wichtigen Anruf hinweist, der bald darauf stattfindet, …)

Nicht vergessen: Nicht jeder Ort braucht eine Beschreibung, häufig reicht ein Adjektiv, die Aussage einer Figur im Dialog oder die Beschreibung ist überflüssig. Wenn ich eine Beschreibung anbringe, sollte sie immer einen bestimmten Zweck verfolgen und etwas Wesentliches und Neues zur Geschichte beitragen.
Längere Beschreibungen, die eine Stimmung generieren, gehören meist in bzw. vor eine wichtige Szene.
Orte, die immer wieder eine Rolle spielen, können (z. Bsp. durch die Augen einer Figur) nach und nach beschrieben werden.

Schritt 5 meiner Überarbeitung befasst sich mit der Sprache in den Erzählpassagen. Die Beschreibungen stehen auf dem Prüfstand. Außerdem geht es dabei zunächst um folgende Aspekte der Sprache:
+Metaphern / Vergleich
+Adjektive und Adverbien (mit denen ich überraschend sparsam war)
+Füllwörter (auch, nämlich, ganz, immer, doch, usw. Bei Wolf Schneider³ findet man eine lange Liste.)

 

¹Sol Stein. Über das Schreiben. Autorenhausverlag. Berlin 2015 (S. 392)
²Fritz Gesing. Kreativ schreiben. Handwerk und Technik des Erzählens. Dumont. Köln 2014 (S.373 ff.)
³Wolf Schneider. Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. Goldmann. TB. München 2002 (S.131-133)

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2 Gedanken zu “Überarbeitung: Sprache / Beschreibungen

  1. Gehst Du wirklich so systematisch vor, wenn Du Deinen Text überarbeitest? Ich bin ganz klar ein Anhänger der systematischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Text, brauche dafür aber viel zeitlichen Abstand, weil ich erst dann die Qualität der Grundidee beurteilen kann. Erst danach geht es dann an den Feinschliff. (Es sei denn, es ist mal wieder eilig, ich setze mich selbst unter Zeitdruck, das Wetter ist schön oder was weiß ich). Richtig gut ist ein Zweitleser, der stilsicher ist und unverblümt auf Mängel hinweist, bevor ein Text einem größeren Publikum vorgestellt wird. Als Autor bin ich nämlich oft zwischen Euphorie und Selbstzweifeln hin- und hergerissen.

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