Eva Menasse: Quasikristalle

In 13 Kapiteln stellt Eva Menasse das Leben der Xane Molin dar. Es handelt sich nicht um eine Erzählung in der erwarteten Kontinuität, mit rotem Faden und verbindenden Übergängen. Im Gegenteil: In jedem Kapitel ändert sich die Erzählperspektive und der Kontext, in dem erzählt wird.

So springt der Leser mit dem Roman von einem Abschnitt zum nächsten. Jedes Kapitel könnte für sich stehen, ist eine in sich abgeschlossene Nahaufnahme auf die Figur zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens. Die Abschnitte sind chronologisch geordnet, so dass sich mit dem Buch nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Die Lücken füllt der Leser selbst, wie im richtigen Leben.

Deutlich wird, wie viel dazwischen offen, ungesagt bleibt. Und nicht immer ist das zufriedenstellend. Hin und wieder fühlt man sich betrogen um den Zusammenhang, der ja immer auch ein Deutungs-Zusammenhang ist. Da ein einheitlicher Erzähler fehlt, wird die Deutung dem Leser überlassen, es sei denn, er schließt sich dem jeweils subjektiven Standpunkt an. Das ist aber kaum denkbar, da die Perspektiven zu wechselhaft sind, um ein einheitliches Bild zu vermitteln. Das ist es wohl auch, was Eva Menasse darstellen will, und was ihr gelungen ist.

 

Beinahe hätte ich das Buch nach dem ersten Kapitel weggelegt, da ich es ich sehr spannend fand. Es beginnt mit der 14-jährigen Xane Molin und zwei Freundinnen. Der Sprung zum zweiten Kapitel war insofern wohltuend. Doch erst beim dritten verstand ich, dass die Lücken zwischen den Kapiteln bleiben.
Für den Leser ist das ungewohnt. Manchmal trennt man sich schwer von einem Kapitel und mitunter ist es mühsam, immer wieder neu einzusteigen. Die Sprache hilft über einige Hürden hinweg, da sie absolutes Lesevergnügen serviert.
Dennoch handelt es sich um ein gut erzähltes Stück Literatur, das auch ein Bild moderner Lebenswege spiegelt, die oft sprunghaft oder willkürlich erscheinen und doch zusammenhängen. Die Figur wächst am Ende mit ihren Erfahrungen, auch, wenn sie natürlich als junge Frau nicht für möglich hält, dass dort noch so vieles kommen könnte.

Ein ungewöhnliches Buch; es lohnt sich.

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3 Gedanken zu “Eva Menasse: Quasikristalle

  1. So, endlich habe ich es geschafft. Hörbücher nutze ich immer in der Bahn oder im Bus. Viele Fahrten = viele Hörbücher. Ich bin sehr angetan von diesem Hörbuch. Die Sprecher bringen zum Teil den Dialekt mit, der z. B. zu Wien gehört und dem Buch damit die richtige Klangfarbe geben. Durch die wechselnden Stimmen ist auch immer sehr klar, mit welchem Erzähler / welcher Erzählerin wir es gerade zu tun haben – und davon gibt es ja genug. Also ganz klar eine Empfehlung. Das Buch war sicher mühsamer.

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