John Vorhaus: Handwerk Humor

Ich wollte etwas darüber lernen, wie man komische Szenen, Figuren, Geschichten erfindet. Hanna empfahl das Buch vor einiger Zeit. Jetzt passte es gut in die Vorbereitungen für mein nächstes Buch-Projekt. Ich stelle mir eine Geschichte vor, die hin und wieder ins Komische rutscht, ohne dass das Komische überwiegt.

Bald hatte ich den Eindruck, das falsche Buch zu lesen, denn Vorhaus wendet sich vor allem an Drehbuchautoren und Comediens. Natürlich war nicht alles brauchbar, was im Buch angesprochen wird. Dennoch kann man eine Menge darüber lernen, wie man komisch schreibt, wenn man sich auf das Buch einlässt. (Siehe auch Bücherliste SCHREIBEN.) Ich absolvierte die Übungen, versuchte mich im Erfinden komischer Namen und komischer Figuren, entwickelte Ideen für komische Geschichten.

Anschaulich, wenn auch für meinen Geschmack sehr überschwänglich, schildert John Vorhaus, wie man Komisches schreibt: Dialoge, Szenen, Geschichten. Was mich wirklich verblüfft hat, dass ich mit seiner „Comic Throughline“ plötzlich mitten im Plotten war. Dieses Plot-Schema eignet sich für jede Art von Geschichten und hat mich bei meinem neuen Projekt enorm vorangebracht. Mit der Heldenreise hat es für mich nicht funktioniert, das gab die Geschichte nicht her.

Obwohl mir der Stil nicht gefällt, und das Buch seine Schwächen hat, hält es mehr, als es verspricht.

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10 Gedanken zu “John Vorhaus: Handwerk Humor

  1. Humor aus einem Handbuch lernen? Sagt mal, braucht Ihr für alles jemanden, der Euch sagt, wie es geht? Geht es darum, stromlinienförmige Produkte herzustellen für Leute, die stromlinienförmig denken? Oder ist das die leider sehr verbreitete „Krankheit“: ‚Ich kann ja noch nichts, ich muss ja erst alles lernen.‘ Ok, sorry, das war jetzt nicht fair! Das ist keine „Krankheit“, entschuldigung, das ist ein normaler und guter Weg. Es liegt nur daran, dass für mich Kreativität an sich nicht erlernbar ist. Sicher, man braucht sein Handwerk. Das ist erlernbar. Und Routine. Das kommt mit der Zeit. Ich glaube, darin wären wir uns einig, oder? Nur – wie sage ich es jetzt – Kreativität und Ideen, das ist wie bei einer Tankstelle mit einer Ölquelle im Hinterhof. Das sprudelt nur so. In dieser Beziehung nützt kein Handbuch. Ich möchte Dich in keiner Weise entmutigen oder abraten, diese Bücher zu studieren. Aber gerade verkauft mein Verlag mein drittes Buch – und ich habe bis jetzt noch in keinen Schreibratgeber reingeguckt …

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    1. Danke! Mit deinem Kommentar drückst du sehr viel meiner Gedanken aus. Für mich sind die meisten „Schreib-Ratgeber“ reine Beutelschneiderei. Und Humor muss man haben, da nützt auch die beste Anleitung nichts, wenn man diese Gabe nebst der natürlichen Kreativität nicht sein Eigen nennt.

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  2. Hallo Theresa, interessanter Buchtipp. Ich finde es immer recht aufschlussreich herauszufinden, wie etwas funktioniert. Mein erstes Aha-Erlebnis in diese Richtung hatte ich mit „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“. Selbst wenn man die Tipps aus den Schreibratgebern nicht braucht (weil man sie schon instinktiv befolgt), kann zumindest ich eine Menge lernen, wenn ich dann selbst ein Buch lese und dann z.B. merke, ah ja, der Autor hat „Wirkung x durch Kniff y“ erzielt. Ich kann mir vorstellen, dass das von Dir besprochene Buch auch in diese Richtung geht. Mir macht es auf alle Fälle Spaß, mal ab und an ein bisschen Analyse zu betreiben.
    Liebe Grüße
    Bianca

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  3. Ich finde so was ja immer spannend. Meine liebe Probeleserin Sabine A. hatte ja zum zweiten Kapitel von DIE 13. JUNGFRAU folgendes angemerkt (jetzt kann ich es ja erwähnen, die Leseprobe mit der bewussten Szene ist beim Verlag online gegangen):
    „Das Auseinanderziehen von spannenden Szenen ist ein sehr, sehr interessanter Punkt. Ich habe bis vor kurzem immer gedacht, man sollte spannende Szenen nicht durch irgendwelche Einschübe auseinanderreißen, weil es die Leser verärgern könnte. Ich habe aber in letzter Zeit einige wirklich gute Ratgeber zum Thema Kreatives Schreiben gelesen, u.a. „Conflict & Suspense“ von James Scott Bell, und der empfiehlt sogar ausdrücklich, spannende Szenen durch Einschübe zu dehnen. Also im Grunde das Prinzip des Cliffhangers. Und deswegen habe ich direkt vermutet, dass das eine Funktion der Gorthelyk-Rückblende sein könnte.“
    Tja, und wie war es wirklich?
    Ich hatte natürlich noch nie was davon gehört. Weder von „Conflict & Suspense“ noch von James Scott Bell.
    Die Idee, die spannende Szene auf dem Schiff mitten im Sturm mittels Melwyns Rückblende und ihren Gedanken zu Gorthelyk zu dehnen, ist ganz von alleine aus der Ölquelle auf dem Hinterhof meiner Tankstelle gesprudelt, um Autor Christophs nettes Bild zu zitieren.
    Ich finde es sehr interessant, solche Dinge zu erfahren. Bestätigen sie doch, dass aus besagter Quelle anscheinend wirklich schwarzes Gold fließt.
    Aber fange ich deshalb an, diesen oder andere Schreibratgeber zu lesen?
    Nein. Ich habe einfach nicht die Zeit dazu. Denn ich muss doch dringend SCHREIBEN.
    Und in dem bisschen Zeit, was übrig bleibt, halte ich mich lieber an H. G. Wells an: „Keine Leidenschaft der Welt kommt derjenigen gleich, die man dafür aufbringt, den Entwurf von jemand anderem zu verbessern.“
    Sprich: Ich glaube, über den Austausch mit und der gegenseitigen Textarbeit in meiner virtuellen Schreibgruppe habe ich am meisten gelernt – und lerne immer noch.
    So funktioniert es für mich am besten. Andere aus meiner Schreibgruppe lesen aber durchaus Schreibratgeber – und überraschen mich dann, indem sie ihre Erkenntnisse mit mir teilen.
    Und dafür kucke ich mir dann ihre Werke oder auch Plotideen kritisch an, zapfe ein bisschen aus der Quelle aus meinem Hinterhof ab und lege den Finger kritisch auf Punkte wie Perspektivbrüche oder glaubwürdige Emotionen.
    Und miteinander, so verschieden man ist, erreicht man das beste für den Text.
    In diesem Sinne: Weiter so!
    Liebe Grüße
    Katharina
    P. S. Der einzige Grund, warum mein Auge bspw. in Sachen Perspektivbrüche so aufmerksam ist, liegt daran, dass dies mein allerschlimmster Anfängerfehler war, den mir meine allererste Korrekturleserin sehr nachhaltig ausgetrieben hat.

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