Jutta Reichelt: Wiederholte Verdächtigungen

Auffallend unaufgeregt erzählt Jutta Reichelt die Geschichte, die sich entspinnt, nachdem Christoph verschwindet, ohne seiner Freundin Katharina eine hinreichende Erklärung dafür zu liefern. Natürlich ist ihm die Tragweite seines Verschwindens nicht bewusst. Wir erleben die Geschichte aus Katharinas Warte, die sich mit den Erwartungen und Vorstellungen – eben auch Verdächtigungen – von Freunden und Familie konfrontiert sieht. Muss sie sein Fortbleiben rechtfertigen, oder etwa, warum sie es nicht kommen sah?

Sehr kontrolliert und reflektiert geht Christophs Freundin mit der Situation um, wären da nicht die kleinen Anzeichen ihrer Unruhe. Dass sie wieder raucht, zum Beispiel, dass sie das Bedürfnis hat, mit jemandem zu reden, und sich schließlich selbst auf den Weg macht, um zu verstehen, was hinter Christophs Verschwinden steht.

Eine Geschichte, die sehr im Gegenwärtigen bleibt. Das Präsens als Erzählzeit und die Sprache, die betont ruhig dahin fließt, zieht den Leser in den Roman, ohne dass es gezielt gesetzter Spannungsmittel bedarf. Das Spannende  sind die Verflechtungen zwischen den Figuren, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Christophs Verhalten und seinen unbewussten Erinnerungen.

Eine im höchsten Maße glaubwürdige Geschichte, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, den Leser hineinholt und nicht im Regen stehen lässt. Nach und nach werden Fragen beantwortet, die beim Lesen entstehen, werden Lücken gefüllt ohne, dass plumpes Flickwerk entstünde. Eine ganz und gar runde Geschichte, eindrucksvoll erzählt auf 180 Seiten. Darüber hinaus handelt es sich um eine schöne Ausgabe aus dem Verlag Klöpfer & Meyer. Ideal zum Schenken.

siehe auch: Wiederh. Verdächtigungen
siehe auch: Bücherliste 2015

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3 Gedanken zu “Jutta Reichelt: Wiederholte Verdächtigungen

  1. Liebe Theresa, ich habe es hier und da schon mal geschrieben – dass ich immer ein bisschen unsicher bin, nach welchen Regeln (Konventionen) ich mich im Fall von Blog-Rezensionen verhalten soll: Normalerweise schweigt „die Autorin“ ja zu Besprechungen und kommentiert noch nicht einmal, wenn sie sich ganz, ganz ungerecht behandelt fühlt ;-), andererseits ist es unter „uns BloggerInnen“ gute Tradition, aufeinander Bezug zu nehmen … Also habe ich ein paar Tage gewartet und schreibe jetzt aber dann doch, dass ich mich sehr gefreut habe über deine zustimmende Lektüre! Viele Grüße!

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