Jane Gardam

In einem Post meiner Schreibarbeit-Serie (Woche 22) hatte ich es schon erwähnt:

Ich bin auf die Romane von Jane Gardam gestoßen.  „Ein untadeliger Mann“ und „Eine treue Frau“ (BÜCHERLISTE 2016)sind im Königreich in den Jahren 2004 und 2009 erschienen. Hanser brachte eine deutsche Übersetzung von Isabel Bogdan auf den Markt – 2015 und 16.

Beide erzählen dieselbe Geschichte aus zwei Perspektiven, nämlich die Geschichte einer Ehe aus den Perspektiven von Mann und Frau. Entsprechend ihres Erscheinens kam auch in der dt. Übersetzung zuerst die Geschichte von Edward Feathers erzählt, der in Malaysia geboren wird und dort seine ersten Jahre verlebt. Wie die meisten Kinder englischer Abstammung, die in den Kolonien zur Welt kommen, wird er zu Schulbeginn nach England geschickt, zu Verwandten, wenn möglich; in seinem Fall wird eine Familie für die Aufnahme des Jungen bezahlt. Nach den ersten Schuljahren folgt das Internat und dann bestenfalls Oxford. Eine karge, lieblose Kindheit, in der nur das Geld keine Rolle spielt. Als Edward die Schule beendet, hat der 2. Weltkrieg begonnen. Sein Vater ruft ihn zurück, um ihn zu retten. Doch das Schiff kommt nicht an – der Krieg hat mittlerweile Asien erreicht – und Teddy kehrt zurück nach England. Er wird Soldat, studiert schließlich doch in Oxford und geht als Anwalt zurück in die Kronkolonie nach Hongkong. Hier lernt er Betty kennen.

Die Geschichte erzählt von einem Leben, das turbulent beginnt, von Edward aber in erstaunlich ruhige Bahnen bugsiert wird. Er steigt auf, bekommt Anerkennung, verdient mehr als gut. Nur die Kinder fehlen. Ihm scheinen sie aber nicht wirklich zu fehlen. Edward ist korrekt, fleißig, erfolgreich. Natürlich gehört er zu einer aussterbenden Art und wird von den jüngeren Kollegen und Verwandten als kauzig empfunden. Die kleinen Ängste und Macken, die die unstete Vergangenheit bei ihm hinterlassen hat, hat er gelernt, zu kaschieren. Und eigentlich scheint alles in bester Ordnung zu sein, bis seine Frau Betty stirbt.

Mit ihrer behaglichen Erzählstimme legt uns Jane Gardam das Innenleben dieses seltsamen Mannes und seine abgeschlossene Welt ans Herz, die schon im Aussterben begriffen ist, als Edward noch Anwalt in Hongkong ist. Später geht er mit Betty nach England, wo sie aber nicht mehr heimisch werden. Wunderbar erzählt, mit einem scharfen Blick für die charateristischen Details und dem notwendigen Humor. Man möchte gar nicht mehr aufhören und greift natürlich zum zweiten Buch.

Da die Geschichte überquillt von merkwürdigen Figuren, Schauplätzen und Ereignissen, und weil das Arrangement ihrer Ehe schon eine Geschichte für sich ist, scheint es Sinn zu machen, diese noch einmal zu erzählen, diesmal aus Bettys Sicht. Ich habe mich sehr darauf gefreut, fand den Perspektivwechsel spannend und vielversprechend.

Doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. Bettys Roman las sich gar nicht mehr wie eine eigenständige Geschichte. Es war, als hätte man hier nur noch nachgetragen, was sich in den Notizen zum ersten Roman angesammelt hat. Sicher ist das nicht der Fall. Aber der rote Faden fehlt, und die immer häufiger werdenden Wiederholungen zum Ende des Romans empfand ich als schlechten Ersatz für eine eigene Geschichte.


2 Gedanken zu “Jane Gardam

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